ach, verdammt. nicht nur, dass mein kreislauf in den letzten tagen wahrlich verrückt spielte. nein, jetzt sehe ich gerade, dass die miu miu-sandälchen, die ich seit mehreren monaten schaufensterig bewundere und anschmachte, nur noch in embryonaler größe 37 vorhanden sind. wer hat denn bitteschön solche püppigen winz-füße?
die letzte halbe stunde habe ich damit verbracht, die schuhe in diversen online-stores zu suchen. die üblichen verdächtigen von saks bis neiman marcus waren keine hilfe - bei shoewawa zumindest eine winzige spur: selfridges london scheint sie noch zu haben.
sollte irgendjemand diese entzückenden babies irgendwo bei einem lokalen luxuspantoffeldealer stehen sehen, dürfte man mir dies gern mitteilen.
Miss Manierlich - 19. Jun, 12:21
wenn ich an momente denke, in denen ich besonders glücklich war, dann haben diese immer etwas mit einem bett zu tun. jemanden in mein bett zu holen oder gar dabei einzuschlafen, ist für mich das intimste überhaupt. So wie doofchen gern mal behaupten, man könne sex und liebe trennen und dies für eine wahnsinnig neue erkenntnis von unauslotbarere gedanklicher tiefe und unglaublicher verruchtheit halten, gibt es für mich eine ganz klare grenze vor und ausserhalb der tür meines schlafzimmers.
ich verfüge über einen eher durchschnittlichen sexuellen erfahrungsschatz, der aber trotzdem ausreichend ist um zu sagen: in einem hauseingang einen schwanz in den mund zu nehmen ist so intim wie eine hand zu schütteln. was ist bitteschön besonders intim daran, einem mann, dessen vorname man kennt so tief ins eigene leben hineinzulassen wie den postboten mit einem ebaypaket? es gibt sicherlich hin und wieder gründe so etwas zu tun, mit intimität hat das leidlich wenig zu tun – so was ist meist noch nicht einmal sex, sondern eher reine mechanik und ein durch die venen taumelndes fickhormon, das demnächst sicher einmal in einem ck-parfum verkauft wird. anders ausgedrückt: es ist ein schwanz und ein mund – aber nur sehr wenig sex. womit ich absolut nichts gegen schwänze und münder sagen möchte – eher dagegen, dass solche kleinen nebensächlichkeiten als der gipfel der sexuellen zügellosigkeit gesehen werden. einer zügelloigkeit deren gedanklicher fehler in der einfachen formel: „je schneller, je unbekannter, je spontaner und je unverbindlicher desto fick“ mündet. zumindest für mich kann ich dieser toilettenflüsterei-wahrheit heftig widersprechen.
das intimste ist immer noch, einen menschen in mein leben eindringen zu lassen, einen zumindest potenziellen blick auf mich zu gewähren – und zwar einen, der weitaus intimer ist, als der zwischen gespreizte beine oder auf einen in die höhe gereckten arsch.
meistens gab es in der vergangenheit einen veritablen zeitunterschied zwischen dem ersten mal miteinander schlafen und dem ersten mal gemeinsam in meinem bett liegen. prinz genji hat nach einem halben jahr das erste mal in meinem bett geschlafen und bis ich ruhig und ohne scheu neben ihm einschlafen konnte, hat es mindestens ein jahr gedauert – man ist so furchtbar schutzlos und maximal entblösst im schlaf. keine brust ist so nackt wie ein mensch im schlaf – bis jemand das zu sehen bekommt, brauche ich bedeutend mehr zeit, als für den oben beschriebenen blowjob.
ich ärgere mich sehr, dass ich erst vor einem jahr angefangen habe, von jedem bett in dem ich mit genji geschlafen habe, ein bild zu machen. ohne unschmeichelhafte rückschlüsse auf ihn zuzulassen: ich erinnere mich an beinahe jedes bett, aber nur sehr begrenzt an das, was wir dort getan haben. ich erinnere mich an zwei dutzend getrennt stehende motel6-betten, an unangenehm glatte polyesterdecken, an einfache laken, die lieblos um etwas gewickelt waren, das an pferdedecken erinnerte. ich weiss wie es sich anfühlt, in einem bett mit hoher oder niedriger lehne zu schlafen und wie man mit dem kopf auf winzigen, extrem harten und schweren kopfkissen liegt. ich erinnere mich an weiche betten, in denen man tief einsinkt und an gruselige futon-fakes. betten unter fenstern, die auf schmierige hinterhöfe hinaus gehen und solche unter fensterfronten, die auf den central park oder einen riesigen flughafenparkplatz in phoenix hinabschauen. hohe betten, aus denen man beinebaumelnd und rauchend den ganzen raum überblicken kann oder matrazen, die höchstens streichholzschachtelhoch über dem boden lagen. betten mit geschwungenem fußteil oder einem kleinen bänkchenn, auf denen das übliche reisepotpourri wie eine träg-schlummernde katze liegt. betten neben dem badezimmer, einem begehbaren kleiderschrank oder vorm balkon.
eins der schönsten betten steht übrigens in berlin im lux11 – es hat eine grotesk voluminöse plüsch-pelz-überdecke, die ich schrecklich gern geklaut hätte, aber sie passte in keine unserer taschen. leider. ausserdem stand das bett einen halben meter von der ebenerdigen dusche entfernt, die günstigerweise eine einzige, höchstlich durchschaubare glaswand hatte – rauchend im bett zu liegen und zu beobachten, wie genji duscht, gehört zu den schönsten erinnerungen die ich habe.
großartig ist auch das bett meiner schwester, die lieberweise freiwillig die wohnung räumt, wenn wir in dresden sind. es steht im obergeschoß ihrer maisonettewohnung, auf einer neiderregenden empore und ich liebe es, die treppe hinaufzuhuschen, und mit auf den obersten stufen aufgestützten armen genji beim lesen seiner grauenhaften finanzmagazine zu beobachten. ausserdem beflügelt mich allein das gedachte wort „hinaufgehen“. das klingt unheimlich liebevoll und intim: kaffee zu kochen, und noch einmal hinauf ins bett zu gehen.
eins noch: zu den groteskeren betterlebnissen gehört das übernachten in einem sogenannten und hochgradig yuppieverseuchten golfhotel. weil wir das zimmerbuchen im herbst in amsterdam verpasst hatten, mussten wir in ein solches ausweichen und was für golfer sicherlich himmlisch und komfortabel sein sollte, habe ich als äusserst bizarr empfunden. das hotel war ein postmodernes, bananenförmiges und eingeschossiges verbrechen. alle zimmer gingen direkt hinaus ins gründe, wo auf der terrasse bereits eins dieser kleinen golfwägelchen wartete. das bett stand entzückend nahe beim fenster und man konnte morgens aufeinanderliegend dem emsigen treiben vorm fenster harren. in diesem falle: einer grotesk in hilfiger (vanille! rosé! himmelblau! und ganz viele mützchen) ausgestatteten meute, die je nachdem ob er oder sie am steuer saß, mehr oder minder lautstark richtung erstes loch rollte.
Miss Manierlich - 19. Jun, 12:16