London Calling

wenn es einen grund gibt, inmitten der besten aller juliwelten nach london zu fahren, dann kann dies nur in einem four-letter-word begründet liegen. dem einzigen, das eine dame so ungerührt wie gierig-augen-glitzernd aussprechen kann: s a l e.
sale in der new bond street. sale bei selfridges. sale bei harvey nichols. sale bei harrods. wohin das auge fällt wird ge-sale-t.
nun ist es natürlich einerseits eine fantastische ausrede, dem tube-nightmare für ein paar tage zu entkommen und dabei gleichzeitg wohlwollendes einlenken zu demonstrieren, wenn die begleitung partout nicht in die modigliani-austellung, dafür aber bitteschön am abend zum public viewing gehen möchte: gern verbringe ich den abend mit schwitzenden, bier-inhallierenden, weltweit für ihre freundlichkeit bekannten englischen fans. oh, und natürlich presse ich mich danach auch sehr gern in covent garden mit ihnen in die u-bahn, wate knöcheltief durch enttäuschungs-erbrochenes und mime höchste unterhaltung, wenn jemand den inhalt einer essig-stinkenden fischtüte versehentlich über meine handtasche entleert. als ausgleich fordert man dann am besten den vor- und frühen nachmittag für sich bzw. die jagd nach einem schuh ein und schleppt die bedauernswerte begleitung stundenlang durch ausverkaufsgelände.
ich hätte wirklich nie gedacht, dass dieser satz einmal über meine lippen kommen würde, aber: ich hasse luxuspantoffel im ausverkauf. bestimmte dinge sind nicht dazu angetan, in einem schmierigen blechregal nebeneinander zu liegen oder sich stapelweise neben schwitzenden frauenfüssen zu türmen.
nie, nie, niemals darf ein jimmy choo-schühchen auf einem quadratmeter dreckigen holzregals neben 60 seiner artverwandten liegen. prada-mules gehören nicht in achtloser gruppierung vor einen spiegel. marc jacobs heels sollen nicht in lagerhaus-regalen wackeln und ein weisser louboutin-pumps hatte bereits bedauernswerte staub- und flipflop-dreckzehenspuren.
natürlich ist es großartig, ein objekt der begierde für den halben preis zu entdecken, hinein zu schlüpfen, es passend zu finden und bereits die kreditkarte wie ein hüft-herz pulsieren zu hören. wenn um mich herum aber hektisches frauenschnaufen, das synchrone clickern von gürtelschnallen und unangenehme rutschgeräusche schwitzender zehen hinein in die volllederausstattung zu hören sind, dann seufze ich lieber kurz auf und stelle die schönheit zurück an ihren demütigenden platz.
vielleicht seufzt der wunderbare silberne ysl-schuh auch leise auf, als ich ihn bedauernd zu seinen bemitleidenswerten kollegen zurück ins regal schiebe. gedankliche sehe ich die schuhe im schimmernden licht der nachtbeleuchtung wie adrenalin-schwitzendes schlachtvieh dem frauenansturm der nächsten tage bang harren. trotzdem habe ich es nicht übers herz gebracht, dort etwas mitzunehmen - das gefühl, die guten stücke sorgsam aus dem regal zu nehmen und in der stille eines ladens damit teppichgedämpft die ersten schritte zu trippeln, wurde durch ramsch-athmosphäre der feinsten sorte abgelöst.
Miss Manierlich - 7. Jul, 15:42
