Angst vor Flip
die biene maja fand ich als kind ziemlich beschissen. auch gefährten, die mir rückwirkend hochgradig sympathisch scheinen wie die stubenfliege puck oder der käfer, der ständig seine mistkugel vor sich her-rollert, haben mich mit dem penetrant daherstinkenden duktus der serie als kind nicht versöhnen können.
obwohl die temperaturen in den letzten tagen merklich abgesunken sind, zirpt es vor meinem fenster seit nunmehr zwei wochen atemberaubend. bisher dachte ich ganz naiv immer an grillen - seit gestern abend glaube ich, dass es einer der grashüpfer des schreckens war.
ich lag bei gedimmtem leselicht vor der geöffneten balkontür, als plötzlich etwas gegen die scheibe schlug. das geräusch klang verdächtig nach einem veritablen steinchen, wie es gern in verkitschten filmen von adoleszenten liebhabern an mädchenfenster geschmettert wird. in meinem falle stand jedoch weder ein herrr unterm balkone, noch lag irgendwo ein steinchen. dafür torkelte ein durch die aufprallwucht offenkundig verwirrter, zu elefantitischer größe angeschwollener riesengrashüpfer an der balkontür entlang. gruselig sah es insbesondere aus, als er eine zigarettenschachtel überholte: ich würde sagen, die beiden waren gleich groß.(ich würde mich gern von einem erben nabokovs überzeugen lassen, dass es solche trümmer-hüpfer in deutschland nicht gibt...)
eigentlich habe ich keine übermässige angst vor getier: motten finde ich sexy, spinnen werdenstaubgesaugert liebevoll auf dem balkon ausgesetzt und tausendfüssler bewegen sich so charmant. angst macht mir hingegen alles, was irgendwie deutlich größer als bekanntes ist. ein 250-gramm-falter sieht vielleicht aus wie das interieur eines alten björk-videos, gehört aber definitiv nicht in meine reichweite. und mit diesem, aller putzigkeit beraubten grashüpfer zog für den rest der nacht der terror in mein schlafzimmer ein.
der hüpfer war zu schnell, um fix ein glas drüber zu stülpen und ihn durch untergeschobenes papier aus dem küchenfenster zu befördern. ich vertrete übrigens die ansicht, dass alles, was durch ein fenster reinflattert oder hüpft, auf dem selben weg wieder nach draussen gelangen sollte. so weit kam es aber wie erwähnt nicht: flips bösartiger artgenosse sprang permanent richtung lämpchen. als ich selbige ausschaltete folgte auf eine kurze ruhephase, in der ich hellwach und in äusserster alarmbereitschaft auf dem bett kauerte, das altbekannte steinchengeräusch. diesmal allerdings schon deutlich näher - der grashüpfer war offenkundig an mein nachtschränkchen gesprungen. und so ging es die gesamte folgende nacht: kurze ruhe - steinchen. kurze ruhe - steinchen, steinchen. gern auch mit wechselnder frequenz und sprungkraft, an schlaf war also partout nicht zu denken. ich hoffe, flip verreckt gerade irgendwo unter kleiderschrank oder kommode - mein verständnis für seine qualen hält sich in grenzen.
irgendwann habe ich den einschlafwillen aufgegeben, mich rauchend aufs bett gelegt und an sebastian gedacht. an die liebevolle ruppigkeit, mit der er über seinen nächtlichen vogelfund, seine vogelmutterbestrebungen und den sturen charakter seines zöglings schrieb. daran, wie ich mir auch beim wiederholten durchlesen seines textes immer vorstellen musste, wie der vogel morgens durchs fenster huschte. ich habe an seine träume gedacht, die auf umfluteten hochhausdächern, spiraligen wegen einer hochzeitsgesellschaft oder in kafkaesken labyrinthen spielten. an seine kristallinenen argumentationen, seine wie durch spitzenstoff hindurch schimmernde hingabe zur ästhetik, seine waldspaziergänge und die obskuren eiergerichte.
hätte mich der verdammte grashüpfer nicht gehindert, licht zu machen, wäre ich gern ins nichtschlafzimmer gehuscht, hätte mir sein letztes mail durchgelesen und vermutlich dann auch alle anderen. vielleicht wäre das salzstreuertierchen über meinen schreibtisch gefüsselt und hätte flip gemeuchelt. für die mittagspause habe ich mir wehners gesammelte ordnungsrufe mitgenommen, gedanklich ein zwei sumpfblütengrüße die saar hinaus geschickt und daran gedacht, dass es schön, emotional komplett rein war und sich sogar noch rückblickend weich und daunig anfühlt.
obwohl die temperaturen in den letzten tagen merklich abgesunken sind, zirpt es vor meinem fenster seit nunmehr zwei wochen atemberaubend. bisher dachte ich ganz naiv immer an grillen - seit gestern abend glaube ich, dass es einer der grashüpfer des schreckens war.
ich lag bei gedimmtem leselicht vor der geöffneten balkontür, als plötzlich etwas gegen die scheibe schlug. das geräusch klang verdächtig nach einem veritablen steinchen, wie es gern in verkitschten filmen von adoleszenten liebhabern an mädchenfenster geschmettert wird. in meinem falle stand jedoch weder ein herrr unterm balkone, noch lag irgendwo ein steinchen. dafür torkelte ein durch die aufprallwucht offenkundig verwirrter, zu elefantitischer größe angeschwollener riesengrashüpfer an der balkontür entlang. gruselig sah es insbesondere aus, als er eine zigarettenschachtel überholte: ich würde sagen, die beiden waren gleich groß.(ich würde mich gern von einem erben nabokovs überzeugen lassen, dass es solche trümmer-hüpfer in deutschland nicht gibt...)
eigentlich habe ich keine übermässige angst vor getier: motten finde ich sexy, spinnen werden
der hüpfer war zu schnell, um fix ein glas drüber zu stülpen und ihn durch untergeschobenes papier aus dem küchenfenster zu befördern. ich vertrete übrigens die ansicht, dass alles, was durch ein fenster reinflattert oder hüpft, auf dem selben weg wieder nach draussen gelangen sollte. so weit kam es aber wie erwähnt nicht: flips bösartiger artgenosse sprang permanent richtung lämpchen. als ich selbige ausschaltete folgte auf eine kurze ruhephase, in der ich hellwach und in äusserster alarmbereitschaft auf dem bett kauerte, das altbekannte steinchengeräusch. diesmal allerdings schon deutlich näher - der grashüpfer war offenkundig an mein nachtschränkchen gesprungen. und so ging es die gesamte folgende nacht: kurze ruhe - steinchen. kurze ruhe - steinchen, steinchen. gern auch mit wechselnder frequenz und sprungkraft, an schlaf war also partout nicht zu denken. ich hoffe, flip verreckt gerade irgendwo unter kleiderschrank oder kommode - mein verständnis für seine qualen hält sich in grenzen.
irgendwann habe ich den einschlafwillen aufgegeben, mich rauchend aufs bett gelegt und an sebastian gedacht. an die liebevolle ruppigkeit, mit der er über seinen nächtlichen vogelfund, seine vogelmutterbestrebungen und den sturen charakter seines zöglings schrieb. daran, wie ich mir auch beim wiederholten durchlesen seines textes immer vorstellen musste, wie der vogel morgens durchs fenster huschte. ich habe an seine träume gedacht, die auf umfluteten hochhausdächern, spiraligen wegen einer hochzeitsgesellschaft oder in kafkaesken labyrinthen spielten. an seine kristallinenen argumentationen, seine wie durch spitzenstoff hindurch schimmernde hingabe zur ästhetik, seine waldspaziergänge und die obskuren eiergerichte.
hätte mich der verdammte grashüpfer nicht gehindert, licht zu machen, wäre ich gern ins nichtschlafzimmer gehuscht, hätte mir sein letztes mail durchgelesen und vermutlich dann auch alle anderen. vielleicht wäre das salzstreuertierchen über meinen schreibtisch gefüsselt und hätte flip gemeuchelt. für die mittagspause habe ich mir wehners gesammelte ordnungsrufe mitgenommen, gedanklich ein zwei sumpfblütengrüße die saar hinaus geschickt und daran gedacht, dass es schön, emotional komplett rein war und sich sogar noch rückblickend weich und daunig anfühlt.
Miss Manierlich - 2. Aug, 01:11
