Woanders isses auch sch****
um hier mal dem vorwurf entgegen zu arbeiten, ich schriebe nur über die perlen einer gewissen lieblingsplattform, muss dringend ein themenwechsel her. und was läge näher, als einen blick in die blogrepräsentation der gazette, die hochglänzend auf dem sims meines badezimmers, in griffweite aller sanitären anlagen, während deren gebrauch man eben gern mal die neue pochette von jimmy choo bestaunen möchte, liegt zu wagen: schauen wir doch heute mal bei den glamourösesten unter den zeitungsblogs herein - den blogs der (wie es der herr hummel ausdrückt) 3 glamouretten.
erstmals auffällig wurden die glamour-blogs vor meinen augen in der printausgabe 18/06 vom 14. august. dort hiess es vollmundig auf seite 45 im leserbriefsektor:
Seit Juni bloggen drei Glamour-Redakteure auf Glamour.de und berichten über Star-Treffen, Reisen, neue Filme:
(ganz doll groß und ganz doll rot gedruckt) Bis zu 10.000 Fans lesen mit.
Denn die Blogs, als Online-Tagebücher von Barbara Woinke, Corinna Degner und Peter Hummel sind in der Online-Community längst Kult. (gekürzt um einen aufrug zum mitlesen und kommentieren)
soso - bis zu 10.000 leser? stattlich. leider macht glamour keine sonderlich genauen angaben darüber, in welchem zeitraum diese 10.000 leser mitlesen, aber in jedem fall musste ich mir doch mal anschauen, was tausende von glamourleserinnen-schwestern so großartig finden. besonders angesichts der eher skeptisch stimmenden randnotizen zu den freundin-blogs.
als kleine einstimmung und faszinierender blick durchs glamouretten-schlüsselloch werden die blogs auf der überichtsseite von verführerischen fragen gerahmt: welcher art ist der körpergeruch eines schauspielerenden scientologen? wie sieht die rem-phase einer rumänischen anorektikerin aus? und was läuft eigentlich gerade im kino? auf diese und weitere elementare fragen ihrer leserinnen gibt glamour von nunan antwort. und zwar reichlich. hat eben bloß keiner gefragt, von den 10.000 fans der "kult"-blogs.
beginnen wir mit dem blog von barbara woinke, der ewig strahlenden, jetsettigen, cosmopoliten, vielgereisten, im-arm-von-johnboy-travolta-hängenden beläuferin der roten teppiche und vip-lounges.
das blog der ressortleiterin für stars, trends und autos bringt es seit 14. juni auf in summe pralle 10 kommentare, von denen allein ein sattes drittel auf eine aneinanderreihung von surfbildern und hawaii-impressionen entfallen, die sich folgerichtig in einem inhaltsleeren "achgottchen, da isses aber schöööön" entladen. wenn wir mal davon ausgehen, dass die 10.000 begierig mitlesenden fans wohl eher der summe der seitenaufrufe aller blogs seit bestehen entsprechen und sich diefans seitenaufrufe gleichmässig auf drei blogs verteilen, ergibt das für frau woinkes 3333 seitenaufrufe 10 kommentare oder: jeder 333te fan kommentiert auch mal was. kult sieht vielleicht doch ein bisschen anders aus. unabhängig davon, dass ich meine aufrufzahlen seit blog.de nicht mehr kenne, hätte ich ja das verhältnis seitenaufruf:kommentare immer im runden bereich von 1:20 bis 1:30 gechätzt. kann mich jemand, der seine aufrufzahlen besser kennt belehren?
egal, schluss mit der drögen zahlenaneinanderreihung. hier geht es immerhin um das reizvolle redakteursleben einer frau, bei deren frageründchen und erlebnissen sich die stars die klinke in die hand geben und die in jedem zweiten beitrag ein teenagereskes beweisfoto von sich plus personifiziertem glamour postet. interessiert denn niemanden das faszinierende jetset-leben einer redakteurin? champagner, lionel richie, cabriofahrten und flugreisen rund um die welt - warum liest eine veritable anzahl von frauen diese melange begierig für 2 euronen in der druckausgabe und verschmäht das kostenlose sahnehäubchen in den kult-blogs?
ich weiss nicht, ob es am unpersönlichen, in-szene-geschmissenen plauderton, an der uninspirierten themenauswahl oder dem nervtötenden posieren der verfasserin liegt. aber wenn ich ein interview lesen will, dann erstehe ich galore und kämpfe mich nicht durch schülerzeitungs-mässige erlebnisse wie dieses hier. (besonders hübsch finde ich die anmerkung, dass die restliche journaille die frechheit besitzt langatmige fragen über arquettes rolle zu stellen und fröllein woinke damit zeit für die wirklich dringenden fragen, wie beispielsweise die nach der herkunft ihres kleides und anhängers stiehlt.) wenn ich etwas über begegnungen mit idolen lesen will, dann suche ich mir ein beliebiges blog eines kleinen mädchens, das mit hingabe, grammatikfehlern und emoticons über feuchte hände und heisere kehlen schreibt. und wenn ich selbstdarstellung konsumieren will, dann schaue ich auf dem prinzessinnenfelsen vorbei. ich weiss nicht, wie sich frau woinke die standard-glamour-bog-leserin vorstellt - auf jeden fall schreibt sie unermüdlich an ihr vorbei...
weiter gehts mit peter hummel. ein mann in einer frauenredaktion, umgeben von gesträhnten, arschbestuckten, chloetaschen-schwenkerinnen in zu kleinen acne-jeans? das verspricht doch einiges - zumal mir bereits das hummelige profil um eines sympathischer und nicht so penetrant darauf bedacht, die exklusivität und glamourösität der eigenen existenz zu inszenieren schien.
53 kommentare im gleichen zeitraum wie frau woinke bei zugegebenermaßen leicht erhöhter blogfrequenz: woran das wohl liegt? ganz einfach: herr hummel inszeniert sich nicht als redaktions-geck mit aufgeknöpftem hemd und armani-slippern, sondern als reichlich normaler herr mittleren alters. er schreibt über seine motorrad-ausfahrt, seine töchter, und manchmal sogar zögerlich belustigt über die leute, aus denen die gazette für die er arbeitet den honig für ihre leserinnen saugt und aufbereitet. man bekommt beinahe den eindruck, herr hummel wäre ein netter. so einer, der in der schreibtischschublade einen tampon für notfälle hat und den eine redaktion mit ein paar dutzend aufgedrehten hühnerigen mitarbeitern braucht, um nicht vollkommen zu chickaisieren oder zu vaginalisieren. dass er trotz der prominenten platzierung auf glamour.de zwar am häufigsten aber immernoch recht spärlich besucht wird, mag daran liegen, dass er zu verheiratet, zu nett und zu schlicht-normal daher kommt. ein lustiger eishockeyschauender allgäuer mit ehering und nickelbrille passt vermutlich nur aus quotengründen ins glamour-blog-konzept.
besser ins konzept passt da schon die dritte im bunde, kulturredakteurin corinna degner, das hippe junge "new kid on the blog", das ganz szenig gar keine angaben zur person macht, sondern flotte links und ein zerzaustes kopfhörerbild in halbprofil präsentiert.
blög nur, dass die szenige corinna in vier monaten ebenfalls nur auf 34 kommentare kommt und ihr blog das langweiligste dieser glamourösen trias ist.
thematisch könnte das blog von jeder beliebigen pachtymaus zwischen hamburg und berlin geschrieben sein - ein paar filmkritiken, lokale events, hinweise auf lindsay lohans neuen und ganz neuen look, fernsehtips: so weit, so gähn.
fassen wir zusammen: "10.000 begeistert mitlesende fans" produzieren in 4 monaten in summe ganze 87 kommentare und lassen die jungen redakteure ansonsten tunlichst in ruhe. der grund liegt vielleicht darin, dass ich von einem redaktionsblog auch erwarte, etwas aus dem alltag der jeweiligen redaktion zu lesen. was bei glamour aber seit vier monaten passiert ist in etwa so, als würde der shopblogger zwar umfangreich illustrieren, dass er einen supermarkt hat, aber nie darüber schreiben sondern alle mit seinen filmtips langweilen. warum schreibt frau woinke nicht über kurzfristig an- und abberaumte pressekonferenzen, das unmögliche verhalten der manager oder eine fettglänzende promistirn? den blödsinn, der bei diesen interviews gedruckt hinten rausfällt kann ich in jeder gedruckten gazette lesen - in einem blog erwarte ich persönliches, hintergründiges, nicht durch hunderte von prüfenden händen gelaufene und mehr oder minder druckfertige hochglanzscheisse. warum schreibt das frollein degner nicht mal zur abwechslung in einem nebensatz darüber, wie verlage mit belegexemplaren oder plattenfirmen mit freiticket und pressereise um ewähnung in der printausgabe buhlen? warum (insbesondere bei den beiden damen) diese peinliche bemühtheit, die exklusivität des eigenen glamouresken lebens hervorzukehren? was bei der bisher angewandten strategie herauskommt sieht man ja: gähnende leere in den kommentaren, schlechte buch-und-film-kritiken und auszüge aus einem foto- und speichelschlecktagebuch. da lobe ich mir ja fast den bescheiden plaudernden peter - nur leider gibt es mindestens 5000 andere peters. ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde: aber gegen die glamour-blogs tobt bei freundin ja direkt eine kommentarschlacht und die massen sind begeistert.
erstmals auffällig wurden die glamour-blogs vor meinen augen in der printausgabe 18/06 vom 14. august. dort hiess es vollmundig auf seite 45 im leserbriefsektor:
Seit Juni bloggen drei Glamour-Redakteure auf Glamour.de und berichten über Star-Treffen, Reisen, neue Filme:
(ganz doll groß und ganz doll rot gedruckt) Bis zu 10.000 Fans lesen mit.
Denn die Blogs, als Online-Tagebücher von Barbara Woinke, Corinna Degner und Peter Hummel sind in der Online-Community längst Kult. (gekürzt um einen aufrug zum mitlesen und kommentieren)
soso - bis zu 10.000 leser? stattlich. leider macht glamour keine sonderlich genauen angaben darüber, in welchem zeitraum diese 10.000 leser mitlesen, aber in jedem fall musste ich mir doch mal anschauen, was tausende von glamourleserinnen-schwestern so großartig finden. besonders angesichts der eher skeptisch stimmenden randnotizen zu den freundin-blogs.
als kleine einstimmung und faszinierender blick durchs glamouretten-schlüsselloch werden die blogs auf der überichtsseite von verführerischen fragen gerahmt: welcher art ist der körpergeruch eines schauspielerenden scientologen? wie sieht die rem-phase einer rumänischen anorektikerin aus? und was läuft eigentlich gerade im kino? auf diese und weitere elementare fragen ihrer leserinnen gibt glamour von nunan antwort. und zwar reichlich. hat eben bloß keiner gefragt, von den 10.000 fans der "kult"-blogs.
beginnen wir mit dem blog von barbara woinke, der ewig strahlenden, jetsettigen, cosmopoliten, vielgereisten, im-arm-von-johnboy-travolta-hängenden beläuferin der roten teppiche und vip-lounges.
das blog der ressortleiterin für stars, trends und autos bringt es seit 14. juni auf in summe pralle 10 kommentare, von denen allein ein sattes drittel auf eine aneinanderreihung von surfbildern und hawaii-impressionen entfallen, die sich folgerichtig in einem inhaltsleeren "achgottchen, da isses aber schöööön" entladen. wenn wir mal davon ausgehen, dass die 10.000 begierig mitlesenden fans wohl eher der summe der seitenaufrufe aller blogs seit bestehen entsprechen und sich die
egal, schluss mit der drögen zahlenaneinanderreihung. hier geht es immerhin um das reizvolle redakteursleben einer frau, bei deren frageründchen und erlebnissen sich die stars die klinke in die hand geben und die in jedem zweiten beitrag ein teenagereskes beweisfoto von sich plus personifiziertem glamour postet. interessiert denn niemanden das faszinierende jetset-leben einer redakteurin? champagner, lionel richie, cabriofahrten und flugreisen rund um die welt - warum liest eine veritable anzahl von frauen diese melange begierig für 2 euronen in der druckausgabe und verschmäht das kostenlose sahnehäubchen in den kult-blogs?
ich weiss nicht, ob es am unpersönlichen, in-szene-geschmissenen plauderton, an der uninspirierten themenauswahl oder dem nervtötenden posieren der verfasserin liegt. aber wenn ich ein interview lesen will, dann erstehe ich galore und kämpfe mich nicht durch schülerzeitungs-mässige erlebnisse wie dieses hier. (besonders hübsch finde ich die anmerkung, dass die restliche journaille die frechheit besitzt langatmige fragen über arquettes rolle zu stellen und fröllein woinke damit zeit für die wirklich dringenden fragen, wie beispielsweise die nach der herkunft ihres kleides und anhängers stiehlt.) wenn ich etwas über begegnungen mit idolen lesen will, dann suche ich mir ein beliebiges blog eines kleinen mädchens, das mit hingabe, grammatikfehlern und emoticons über feuchte hände und heisere kehlen schreibt. und wenn ich selbstdarstellung konsumieren will, dann schaue ich auf dem prinzessinnenfelsen vorbei. ich weiss nicht, wie sich frau woinke die standard-glamour-bog-leserin vorstellt - auf jeden fall schreibt sie unermüdlich an ihr vorbei...
weiter gehts mit peter hummel. ein mann in einer frauenredaktion, umgeben von gesträhnten, arschbestuckten, chloetaschen-schwenkerinnen in zu kleinen acne-jeans? das verspricht doch einiges - zumal mir bereits das hummelige profil um eines sympathischer und nicht so penetrant darauf bedacht, die exklusivität und glamourösität der eigenen existenz zu inszenieren schien.
53 kommentare im gleichen zeitraum wie frau woinke bei zugegebenermaßen leicht erhöhter blogfrequenz: woran das wohl liegt? ganz einfach: herr hummel inszeniert sich nicht als redaktions-geck mit aufgeknöpftem hemd und armani-slippern, sondern als reichlich normaler herr mittleren alters. er schreibt über seine motorrad-ausfahrt, seine töchter, und manchmal sogar zögerlich belustigt über die leute, aus denen die gazette für die er arbeitet den honig für ihre leserinnen saugt und aufbereitet. man bekommt beinahe den eindruck, herr hummel wäre ein netter. so einer, der in der schreibtischschublade einen tampon für notfälle hat und den eine redaktion mit ein paar dutzend aufgedrehten hühnerigen mitarbeitern braucht, um nicht vollkommen zu chickaisieren oder zu vaginalisieren. dass er trotz der prominenten platzierung auf glamour.de zwar am häufigsten aber immernoch recht spärlich besucht wird, mag daran liegen, dass er zu verheiratet, zu nett und zu schlicht-normal daher kommt. ein lustiger eishockeyschauender allgäuer mit ehering und nickelbrille passt vermutlich nur aus quotengründen ins glamour-blog-konzept.
besser ins konzept passt da schon die dritte im bunde, kulturredakteurin corinna degner, das hippe junge "new kid on the blog", das ganz szenig gar keine angaben zur person macht, sondern flotte links und ein zerzaustes kopfhörerbild in halbprofil präsentiert.
blög nur, dass die szenige corinna in vier monaten ebenfalls nur auf 34 kommentare kommt und ihr blog das langweiligste dieser glamourösen trias ist.
thematisch könnte das blog von jeder beliebigen pachtymaus zwischen hamburg und berlin geschrieben sein - ein paar filmkritiken, lokale events, hinweise auf lindsay lohans neuen und ganz neuen look, fernsehtips: so weit, so gähn.
fassen wir zusammen: "10.000 begeistert mitlesende fans" produzieren in 4 monaten in summe ganze 87 kommentare und lassen die jungen redakteure ansonsten tunlichst in ruhe. der grund liegt vielleicht darin, dass ich von einem redaktionsblog auch erwarte, etwas aus dem alltag der jeweiligen redaktion zu lesen. was bei glamour aber seit vier monaten passiert ist in etwa so, als würde der shopblogger zwar umfangreich illustrieren, dass er einen supermarkt hat, aber nie darüber schreiben sondern alle mit seinen filmtips langweilen. warum schreibt frau woinke nicht über kurzfristig an- und abberaumte pressekonferenzen, das unmögliche verhalten der manager oder eine fettglänzende promistirn? den blödsinn, der bei diesen interviews gedruckt hinten rausfällt kann ich in jeder gedruckten gazette lesen - in einem blog erwarte ich persönliches, hintergründiges, nicht durch hunderte von prüfenden händen gelaufene und mehr oder minder druckfertige hochglanzscheisse. warum schreibt das frollein degner nicht mal zur abwechslung in einem nebensatz darüber, wie verlage mit belegexemplaren oder plattenfirmen mit freiticket und pressereise um ewähnung in der printausgabe buhlen? warum (insbesondere bei den beiden damen) diese peinliche bemühtheit, die exklusivität des eigenen glamouresken lebens hervorzukehren? was bei der bisher angewandten strategie herauskommt sieht man ja: gähnende leere in den kommentaren, schlechte buch-und-film-kritiken und auszüge aus einem foto- und speichelschlecktagebuch. da lobe ich mir ja fast den bescheiden plaudernden peter - nur leider gibt es mindestens 5000 andere peters. ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde: aber gegen die glamour-blogs tobt bei freundin ja direkt eine kommentarschlacht und die massen sind begeistert.
Miss Manierlich - 6. Okt, 02:06
