Anstelle eines Rilke-Zitates
es muss ja mitnichten ein haus sein, das ich mir nicht mehr bauen werde. eine süsse kleine altbauwohnung (am liebsten in der weststadt, wo die straßen nach kurfürstinnen und trippelbeinigen prinzessinnen benannt sind) täte es vollkommen. eine wohnung vom charme eines flamingohorstes, am liebsten kurz vor unterm dach, an einem kleinen platz gelegen, wo samstags am frühen morgen, begleitet von fremden zungen fröstelnde auberginen und keusche artischocken von hand zu hand gehen. drei zimmer sollten es sein, die böden könnte man ja selbst abziehen wenn es novembert und sich beim tragen eiscremefarbener sommershirts gänsehäutchen bilden. eine handvoll laubbäume vorm küchenfenster wären schön und zwar von der verzauberten sorte, die im herbst nur aus zitronigem gelb und schneewittchenfarbenen stämmen bestehen. laubbäume sind wichtig, weil des nächtens vom wind eingeschmuggelte blätter im schlafzimmer so hübsch sind.
präzision im wünschen schützt aber bekanntlich vor nichts, man gibt sich nur selbst den anschein, zwei handvoll details würden die ganze angelegenheit irgendwie realistischer erscheinen lassen. der kern meiner altbauwohnungskirsche heisst: ankommen. nach acht jahren endlich das gefühl von hierbleiben-wollen spüren - was ja bekanntlich eher das gegenteil faktischen hierbleibens ist. ich habe beinahe ein jahrzehnt mit dem hintergedanken des ephemeren niederlassens gelebt. wände wurden dreist in stimmungsschwankenden farben gestrichen, denn länger als ein jahr beabsichtigt man ja doch nicht zu bleiben. die einrichtung ist immer mit einem fuss auf dem möbelwagen und wird wie ein rock an einer kleiderpuppe unwirsch von raum zu raum geschoben. nichts passt wirklich zueinander, alles mobiliar wartet.
das messingbett scharrt mit den klappernden kugeln und trödelt lustlos im schlafzimmer das zwischengleis entlang, aufgetsachelt von den 70er-plastikstühlen in der küche. bücher und schuhe fordern ankleide- bzw. mußezimmer, eine handvoll hokusai-schnitte hängen maulig in ihren billigen rahmen und fordern freie wandfläche, fernab der nachbarschaft von kleiderschrank und leselämpchen.
ich würde gern ein möbelstück an seinen platz stellen und wissen, dass dort zumindest theoretisch für die nächsten jahren eine schale mit schlüsseln oder ein schmuckkästchen stehen könnten. ich will den kauf eines neuen sofas nicht länger heraus schieben - wer weiss, ob´s noch zur nächsten wohnung passt. wer weiss ist die frage, die ein samtbezogenes bettbänkchen verhindert. oder eine brusthohe kommode. im keller meiner eltern steht der verglaste bücherschrank meines großvaters neben dem alten küchentisch mit der kleinen schublade und wartet auf meine letzte wohnung.
es wäre einfach schön, die missstände im inneren der wohnung nicht immer schulterzuckend zu ignorieren, herrgott warum ein bad neu fliesen, in dem in zwei jahren jemand seine unterwäsche auf der heizung trocknet? warum die gruselige begipsung im flur entfernen, vielleicht gefällts ja meinem nachmieter. ich habe keine lust mehr, mich noch länger in die reihe der vormieter-nachmieter einzuschlängeln, die ihre wohnung mögen, aber dennoch lustlos als übergangsquartiert einrichten.
ich würde gern durch eine komplett leere wohnung gehen, zart mit kreide den idealen platz für meine wäschekommode (die vorher auch endlich einmal abgezogen werden dürfte, was ja in der interimswohnung nur wenig sinn macht...) suchen. sorgfältig die richtige farbe für das arbeitszimmer aussuchen und dabei immer wieder aus allen fenstern schauen und die gewissheit haben, dass ich diesen ausblick mehrere winter (winter ist überhaupt der einzige fensterblicks-gradmesser) lang sehen werde. die großformatigen drucke der manierlichen trinität (wehner, nabokov und lucian freud) bekommen einen schönen ausblick auf dachfirste, noch feucht von den zehen der nachbarskatze.
ich möchte feste plätze. angestammte orte, an denen die post liegt, kurz bevor sie nach dem einkaufen zwischen dem fröhlichen schopf einer ananas oder dem serranoschinken verschwindet. einen ort, an dem ich jedes jahr, wenn ich nach den feiertagen von meinen eltern zurück komme, den alten arche literatur-kalender durch einen neuen ersetze.
ich könnte endlich lernen, gulasch zu kochen und quarkkeulchen zu kneten. vielleicht hätte ich sogar ein nährkörbchen. oder eine handvoll hummel-figuren. auf jeden fall aber gäbe es, wie im esszimmer meiner eltern, ein paar quadratzentimeter auf der fensterbank, die bis auf wenige wochen im jahr frei bleibt, damit die steinalte amaryllis, die 47 wochen im jahr im keller neben meinem alten fahrrad (und mehreren dutzenden ihrer kolleginnen, die jedoch vergleichsweise jung sind) in ihrer zwiebel schnarcht, ihren platz, etwa um die zeit geburtstags meiner schwester bekommt. und wenn das zuhause irgendwann einen schlüssel hat, lade ich einen korb mit zwei dutzend kurzblühenden zwiebeln in die polnische perle und suche ihnen plätze wie daunenweiche katzenkörbchen.
präzision im wünschen schützt aber bekanntlich vor nichts, man gibt sich nur selbst den anschein, zwei handvoll details würden die ganze angelegenheit irgendwie realistischer erscheinen lassen. der kern meiner altbauwohnungskirsche heisst: ankommen. nach acht jahren endlich das gefühl von hierbleiben-wollen spüren - was ja bekanntlich eher das gegenteil faktischen hierbleibens ist. ich habe beinahe ein jahrzehnt mit dem hintergedanken des ephemeren niederlassens gelebt. wände wurden dreist in stimmungsschwankenden farben gestrichen, denn länger als ein jahr beabsichtigt man ja doch nicht zu bleiben. die einrichtung ist immer mit einem fuss auf dem möbelwagen und wird wie ein rock an einer kleiderpuppe unwirsch von raum zu raum geschoben. nichts passt wirklich zueinander, alles mobiliar wartet.
das messingbett scharrt mit den klappernden kugeln und trödelt lustlos im schlafzimmer das zwischengleis entlang, aufgetsachelt von den 70er-plastikstühlen in der küche. bücher und schuhe fordern ankleide- bzw. mußezimmer, eine handvoll hokusai-schnitte hängen maulig in ihren billigen rahmen und fordern freie wandfläche, fernab der nachbarschaft von kleiderschrank und leselämpchen.
ich würde gern ein möbelstück an seinen platz stellen und wissen, dass dort zumindest theoretisch für die nächsten jahren eine schale mit schlüsseln oder ein schmuckkästchen stehen könnten. ich will den kauf eines neuen sofas nicht länger heraus schieben - wer weiss, ob´s noch zur nächsten wohnung passt. wer weiss ist die frage, die ein samtbezogenes bettbänkchen verhindert. oder eine brusthohe kommode. im keller meiner eltern steht der verglaste bücherschrank meines großvaters neben dem alten küchentisch mit der kleinen schublade und wartet auf meine letzte wohnung.
es wäre einfach schön, die missstände im inneren der wohnung nicht immer schulterzuckend zu ignorieren, herrgott warum ein bad neu fliesen, in dem in zwei jahren jemand seine unterwäsche auf der heizung trocknet? warum die gruselige begipsung im flur entfernen, vielleicht gefällts ja meinem nachmieter. ich habe keine lust mehr, mich noch länger in die reihe der vormieter-nachmieter einzuschlängeln, die ihre wohnung mögen, aber dennoch lustlos als übergangsquartiert einrichten.
ich würde gern durch eine komplett leere wohnung gehen, zart mit kreide den idealen platz für meine wäschekommode (die vorher auch endlich einmal abgezogen werden dürfte, was ja in der interimswohnung nur wenig sinn macht...) suchen. sorgfältig die richtige farbe für das arbeitszimmer aussuchen und dabei immer wieder aus allen fenstern schauen und die gewissheit haben, dass ich diesen ausblick mehrere winter (winter ist überhaupt der einzige fensterblicks-gradmesser) lang sehen werde. die großformatigen drucke der manierlichen trinität (wehner, nabokov und lucian freud) bekommen einen schönen ausblick auf dachfirste, noch feucht von den zehen der nachbarskatze.
ich möchte feste plätze. angestammte orte, an denen die post liegt, kurz bevor sie nach dem einkaufen zwischen dem fröhlichen schopf einer ananas oder dem serranoschinken verschwindet. einen ort, an dem ich jedes jahr, wenn ich nach den feiertagen von meinen eltern zurück komme, den alten arche literatur-kalender durch einen neuen ersetze.
ich könnte endlich lernen, gulasch zu kochen und quarkkeulchen zu kneten. vielleicht hätte ich sogar ein nährkörbchen. oder eine handvoll hummel-figuren. auf jeden fall aber gäbe es, wie im esszimmer meiner eltern, ein paar quadratzentimeter auf der fensterbank, die bis auf wenige wochen im jahr frei bleibt, damit die steinalte amaryllis, die 47 wochen im jahr im keller neben meinem alten fahrrad (und mehreren dutzenden ihrer kolleginnen, die jedoch vergleichsweise jung sind) in ihrer zwiebel schnarcht, ihren platz, etwa um die zeit geburtstags meiner schwester bekommt. und wenn das zuhause irgendwann einen schlüssel hat, lade ich einen korb mit zwei dutzend kurzblühenden zwiebeln in die polnische perle und suche ihnen plätze wie daunenweiche katzenkörbchen.
Miss Manierlich - 20. Nov, 23:42
