Es weihnachtet sehr....
zeit für einige sätze zum leidigen thema geschenke. genauer gesagt: dem tatbestand des beschenktwerdens durch genji.
weihnachten und geburtstag sind wahre prüfsteine einer beziehung, in der die eine hälfte die hohe schule des feinsinnigen beschenkens verinnerlicht hat und die anderen fünfzig prozent wüst drauflos schenken.
beim beschenken bin ich zutiefst weiblich und im besitz eines moleskineheftchens, das die funktion einer detaillierten potenziellen geschenkliste erfüllt. jede beschenkenswerte person hat ein paar seiten, auf denen penibel die erwähnung von lektüren, musikalischen präferenzen, angeschmachteten wohnungsverschönerungsstücken und ähnliches verzeichnet ist. in der wohnung oder dem restlichen umfeld der person entdeckte gegenstände werden ausgestrichen, wieselflinke inspektionsblicke auf bücher- und cdregale schaffen ihrerseits klarheit im beschenkungsdschungel. dieser teil der liste gibt einblick in gewünschtes.
ebenfalls in das buch eingang finden dinge, die die betreffende person als abwegig, gruselig oder aus anderen gründen als indiskutabel einstuft. freundin a moniert sich über den pailleten-schal von bekanntschaft b? sofort ein eintrag ins moleskine. besonders dann, wenn man selbst glitzernde dinge elsterhaft schätzt. dieser teil der liste gibt den (für den akt des beschenkens beinahe noch wichtigeren) teil der präsentauswahlkomponente wieder, dessen aufgabe im ausschluss unerwünschter geschenke besteht.
aus dem zusammenspiel von listenteil eins und zwei ergibt sich das standardgeschenk, als produkt aufmerksamer und wissender freundschaftlicher zuneigung. geschenke, die aus diesem teil des moleskine entspringen, zeugen von solider kenntnis der beschenkten person und sind semi-überraschende standardleistung unter ausschluss der unangenehmen themaverfehlung.
seit einiger zeit verlege ich mich (insbesondere bei wirklich nahestehenden personen) auf die kitzelige aufgabe, aus bestehenden posten der liste potenzielle, wenngleich bisher unerwähnte wünsche zu kombinieren. für anfänger empfiehlt sich der geschenksektor text oder musik, ganz im sinne eines internetbuchhändlers: kunden, die diesen produkt gekauft haben, interessierten sich auch für.... richtig schief liegen kann man mit sowas eigentlich nicht, voraussetzung ist lediglich, das entsprechende unerwähnte buch gelesen bzw. die musik schon einmal gehört zu haben. blinde stocherkäufe, beispielsweise von büchern des selben autors können ziemlich in die hose gehen. also erstmal bei weniger wertgeschätzten menschen einen testlauf, beispielsweise anlässlich eines wenig wichtigen ereignisses zaghaft vollziehen.
fortgeschrittene meister der kombinatorik verlegen sich darauf, die gemeinsamkeiten erwähnter wunschgegenstände zu extrahieren (beispielsweise die tauglichkeit des gegenstandes, auf einem kommödchen im flur schick auszusehen oder auf einer feierlichkeit als smalltalkgegenstand herzuhalten) und suchen danach gezielt nach attributstarken alternativen.
ich habe kein verständnis für leute, die sich auf der suche nach einem geburtstags- oder weihnachtsgeschenk in die straßenbahn setzen, ziellos durch die stadt streifen, einen kurzen abstecher bei hennes & mauritz einlegen und dann eine diddl-tasse und ein schokolädchen erwerben. unabhängig davon, dass man diddl-tassen (nicky-mäuse! janosch-tand! sendung-mit-der-maus-schund!) sowieso nicht kaufen sollte: geschenke, bei denen man denkt, das gefalle doch jedem, gefallen erfahrungsgemäß niemandem so richtig.
zum kotzen sind auch die gutschein-schenker. ein gutschein ist nichts anderes als das papiergewordene entsetzen: huch, jemand hat geburtstag! und dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen liebevoll dekorierten gutschein für ein grandioses konzert, eine fußmassage oder ein abendessen zu zweit handelt- gutscheine als geste, als option, sind einfach scheisse. punkt.
genji schenkt mit einer fatalen mischung aus hätte-ich-selbst-gern, es-muss-eine-überraschung-sein und einfach-mal-spontan-was-in-den-wagen-schmeissen. und liegt seit nunmehr vier jahren beinahe konstant daneben.
vier jahre bedeuten: 4 mal weihnachten, 4 mal geburtstag und vier mal ostern (wer sich etwas zum valentins- oder gar jahrestag schenkt, tickt nicht ganz sauber). das bedeutet 12 gelegenheiten, mein herz durch zauberhafte präsente zum glühen zu bringen. meist glüht aber nur meine fassungslosigkeit über so viel beschenknaivität. die einzigen beiden geschenke, die ich wirklich als geschenke und nicht nur als nicht selbst bezahlte materie definieren würde, waren eine perlenkette (geburtstag vor drei jahren) und ein farbholzschnitt von hokusai (weihnachten vor drei jahren). bei beiden dingen geht es kein stück um den wert: perlen sind der einzige "echte" schmuck, den ich gern trage, einen passenden farbholzschnitt für übers bett habe ich mir schon seit jahren gewünscht und hokusai liebe ich einfach sehr.
rund um diese beiden geschenke lagert das grauen. unter anderen vergegenständlicht in der einzigen hässlichen unterwäsche, die es bei agent provocateur in den letzten 4 jahren gab, einem fünfmal benutzten ipod, einer digitalkamera (stetig an freunde und familienmitglieder verliehen, also wenigstens in betrieb), einer potthässlichen handtasche und einem moderat großen (d.h. nach gängiger mediamarktkonsumentenmeinung eher kleinen) flachbildschirm. wenn geschenkversprechende tage nahen, werde ich regelmässig extrem aufgeregt. nicht aus gründen der vorfeude, sondern weil ich dem ereignis mit einer mischung aus vorweg genommenem entsetzen und banger befürchtung entgegensehe. weihnachten und geburtstag heisst: beglückung heucheln. denn man will ja dem liebsten die freude nicht verderben, der mit einem riesengroßen und-gefällts-dir???-blick inmitten des geschenkpapierberges hockt.
letztes jahr an weihnachten dann der eklat: ich enthüllte ein navigationssystem. ganz egal, was irgendjemand erzählt: so etwas ist kein geschenk für eine frau. zumindest für keine, die nicht mit ölverschmierter hose in einer montagehalle unter einem zerbeulten ford liegt, bier aus flaschen trinkt und kollektiv mit ihren schrauberfreunden rülpst. erwähnen muss man ebenso, dass ich zu diesem zeitpunkt einen acht jahre alten, 350.000-kilometer golf fuhr und mich leidlich verarscht fühlte. das letzte, was dieses mein damaliges auto aus meiner sicht benötigte, war ein verdammte navigationssystem. beleidigt fuhr ich nach hause, bekam das bereits mehrfach erwähnte schwarzperlenfarbene neue auto und hörte von meinem vater während der jungfernfahrt am nächsten nachmittag, er und uwe hätten sich gedacht, ein süsses kleines navigationssystem, wäre doch eine hübsche zugabe. dass mein vater uwe auch noch in diesem unsinnigen geschenk bestärkt hatte, kotzte mich vollauf final an, das verarschungsgefühl stieg und das schlimme geschenk wechselte am 27.12. den besitzer zurück zum schenkenden. genji versuchte noch kurz, mir ein schlechtes gewissen einzureden und liess das ex-geschenk für den rest des abendessens als strafende geste zwischen unseren tellern voll penne liegen.
weihnachten nähert sich unheilvoll. geschenke von nie dagewesener großartigkeit werden von genjis seite avisiert. das macht mich zutiefst skeptisch und ich versuche, den bevorstehenden schaden thematisch einzugrenzen, gottseidank ,dieses jahr offenkundig nichts elektrisches, strombetriebes, bildschirmbewehrtes - das lässt hoffen. ärger brodelt in mir auf, wenn ich fotos in seinen zukünftigen kalender klebe, ihm ein neues hörbuch einlese oder überlege, welche tasche der beste ersatz für seine usselige und ganz und gar unpassende freitag-tasche ist. vielleicht schenke ich ihm jetzt noch schnell ein moleskine, damit er für das nächste weihnachten gerüstet ist.
weihnachten und geburtstag sind wahre prüfsteine einer beziehung, in der die eine hälfte die hohe schule des feinsinnigen beschenkens verinnerlicht hat und die anderen fünfzig prozent wüst drauflos schenken.
beim beschenken bin ich zutiefst weiblich und im besitz eines moleskineheftchens, das die funktion einer detaillierten potenziellen geschenkliste erfüllt. jede beschenkenswerte person hat ein paar seiten, auf denen penibel die erwähnung von lektüren, musikalischen präferenzen, angeschmachteten wohnungsverschönerungsstücken und ähnliches verzeichnet ist. in der wohnung oder dem restlichen umfeld der person entdeckte gegenstände werden ausgestrichen, wieselflinke inspektionsblicke auf bücher- und cdregale schaffen ihrerseits klarheit im beschenkungsdschungel. dieser teil der liste gibt einblick in gewünschtes.
ebenfalls in das buch eingang finden dinge, die die betreffende person als abwegig, gruselig oder aus anderen gründen als indiskutabel einstuft. freundin a moniert sich über den pailleten-schal von bekanntschaft b? sofort ein eintrag ins moleskine. besonders dann, wenn man selbst glitzernde dinge elsterhaft schätzt. dieser teil der liste gibt den (für den akt des beschenkens beinahe noch wichtigeren) teil der präsentauswahlkomponente wieder, dessen aufgabe im ausschluss unerwünschter geschenke besteht.
aus dem zusammenspiel von listenteil eins und zwei ergibt sich das standardgeschenk, als produkt aufmerksamer und wissender freundschaftlicher zuneigung. geschenke, die aus diesem teil des moleskine entspringen, zeugen von solider kenntnis der beschenkten person und sind semi-überraschende standardleistung unter ausschluss der unangenehmen themaverfehlung.
seit einiger zeit verlege ich mich (insbesondere bei wirklich nahestehenden personen) auf die kitzelige aufgabe, aus bestehenden posten der liste potenzielle, wenngleich bisher unerwähnte wünsche zu kombinieren. für anfänger empfiehlt sich der geschenksektor text oder musik, ganz im sinne eines internetbuchhändlers: kunden, die diesen produkt gekauft haben, interessierten sich auch für.... richtig schief liegen kann man mit sowas eigentlich nicht, voraussetzung ist lediglich, das entsprechende unerwähnte buch gelesen bzw. die musik schon einmal gehört zu haben. blinde stocherkäufe, beispielsweise von büchern des selben autors können ziemlich in die hose gehen. also erstmal bei weniger wertgeschätzten menschen einen testlauf, beispielsweise anlässlich eines wenig wichtigen ereignisses zaghaft vollziehen.
fortgeschrittene meister der kombinatorik verlegen sich darauf, die gemeinsamkeiten erwähnter wunschgegenstände zu extrahieren (beispielsweise die tauglichkeit des gegenstandes, auf einem kommödchen im flur schick auszusehen oder auf einer feierlichkeit als smalltalkgegenstand herzuhalten) und suchen danach gezielt nach attributstarken alternativen.
ich habe kein verständnis für leute, die sich auf der suche nach einem geburtstags- oder weihnachtsgeschenk in die straßenbahn setzen, ziellos durch die stadt streifen, einen kurzen abstecher bei hennes & mauritz einlegen und dann eine diddl-tasse und ein schokolädchen erwerben. unabhängig davon, dass man diddl-tassen (nicky-mäuse! janosch-tand! sendung-mit-der-maus-schund!) sowieso nicht kaufen sollte: geschenke, bei denen man denkt, das gefalle doch jedem, gefallen erfahrungsgemäß niemandem so richtig.
zum kotzen sind auch die gutschein-schenker. ein gutschein ist nichts anderes als das papiergewordene entsetzen: huch, jemand hat geburtstag! und dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen liebevoll dekorierten gutschein für ein grandioses konzert, eine fußmassage oder ein abendessen zu zweit handelt- gutscheine als geste, als option, sind einfach scheisse. punkt.
genji schenkt mit einer fatalen mischung aus hätte-ich-selbst-gern, es-muss-eine-überraschung-sein und einfach-mal-spontan-was-in-den-wagen-schmeissen. und liegt seit nunmehr vier jahren beinahe konstant daneben.
vier jahre bedeuten: 4 mal weihnachten, 4 mal geburtstag und vier mal ostern (wer sich etwas zum valentins- oder gar jahrestag schenkt, tickt nicht ganz sauber). das bedeutet 12 gelegenheiten, mein herz durch zauberhafte präsente zum glühen zu bringen. meist glüht aber nur meine fassungslosigkeit über so viel beschenknaivität. die einzigen beiden geschenke, die ich wirklich als geschenke und nicht nur als nicht selbst bezahlte materie definieren würde, waren eine perlenkette (geburtstag vor drei jahren) und ein farbholzschnitt von hokusai (weihnachten vor drei jahren). bei beiden dingen geht es kein stück um den wert: perlen sind der einzige "echte" schmuck, den ich gern trage, einen passenden farbholzschnitt für übers bett habe ich mir schon seit jahren gewünscht und hokusai liebe ich einfach sehr.
rund um diese beiden geschenke lagert das grauen. unter anderen vergegenständlicht in der einzigen hässlichen unterwäsche, die es bei agent provocateur in den letzten 4 jahren gab, einem fünfmal benutzten ipod, einer digitalkamera (stetig an freunde und familienmitglieder verliehen, also wenigstens in betrieb), einer potthässlichen handtasche und einem moderat großen (d.h. nach gängiger mediamarktkonsumentenmeinung eher kleinen) flachbildschirm. wenn geschenkversprechende tage nahen, werde ich regelmässig extrem aufgeregt. nicht aus gründen der vorfeude, sondern weil ich dem ereignis mit einer mischung aus vorweg genommenem entsetzen und banger befürchtung entgegensehe. weihnachten und geburtstag heisst: beglückung heucheln. denn man will ja dem liebsten die freude nicht verderben, der mit einem riesengroßen und-gefällts-dir???-blick inmitten des geschenkpapierberges hockt.
letztes jahr an weihnachten dann der eklat: ich enthüllte ein navigationssystem. ganz egal, was irgendjemand erzählt: so etwas ist kein geschenk für eine frau. zumindest für keine, die nicht mit ölverschmierter hose in einer montagehalle unter einem zerbeulten ford liegt, bier aus flaschen trinkt und kollektiv mit ihren schrauberfreunden rülpst. erwähnen muss man ebenso, dass ich zu diesem zeitpunkt einen acht jahre alten, 350.000-kilometer golf fuhr und mich leidlich verarscht fühlte. das letzte, was dieses mein damaliges auto aus meiner sicht benötigte, war ein verdammte navigationssystem. beleidigt fuhr ich nach hause, bekam das bereits mehrfach erwähnte schwarzperlenfarbene neue auto und hörte von meinem vater während der jungfernfahrt am nächsten nachmittag, er und uwe hätten sich gedacht, ein süsses kleines navigationssystem, wäre doch eine hübsche zugabe. dass mein vater uwe auch noch in diesem unsinnigen geschenk bestärkt hatte, kotzte mich vollauf final an, das verarschungsgefühl stieg und das schlimme geschenk wechselte am 27.12. den besitzer zurück zum schenkenden. genji versuchte noch kurz, mir ein schlechtes gewissen einzureden und liess das ex-geschenk für den rest des abendessens als strafende geste zwischen unseren tellern voll penne liegen.
weihnachten nähert sich unheilvoll. geschenke von nie dagewesener großartigkeit werden von genjis seite avisiert. das macht mich zutiefst skeptisch und ich versuche, den bevorstehenden schaden thematisch einzugrenzen, gottseidank ,dieses jahr offenkundig nichts elektrisches, strombetriebes, bildschirmbewehrtes - das lässt hoffen. ärger brodelt in mir auf, wenn ich fotos in seinen zukünftigen kalender klebe, ihm ein neues hörbuch einlese oder überlege, welche tasche der beste ersatz für seine usselige und ganz und gar unpassende freitag-tasche ist. vielleicht schenke ich ihm jetzt noch schnell ein moleskine, damit er für das nächste weihnachten gerüstet ist.
Miss Manierlich - 7. Dez, 23:32
