Hotel zur flüchtigen Bekanntschaft
ich bin ein unsteter mensch. vieles langweilt mich nach mehrmaligem gebrauch, vormalige lieblingsautoren hören von einem auf den anderen tag auf, mich zu faszinieren. musik verschwindet nach kurzen genuss in der versenkung, lieblingsröcke werden eine saison lang exzessiv getragen und rutschen danach in den kleidercontainer. ich habe extreme schwierigkeiten, lange an einer sache interesse aufzubringen, begeistert zu sein, kleinere lustflauten zu überspielen, etwas zu behalten und mit aufmerksamkeit zu hegen.
bekanntschaften und kurzfristig zu intimeren bekanntschaften aufgeblähte sozialkontakte machen in diesem sinne leider keine ausnahme, in den letzten schätzungsweise 6 jahren gab es pro jahr ein bis zwei menschen, zu denen ich mich hingezogen fühlte, mit denen ich zeit verbringen wollte und die mir wichtig waren. leider wiesen diese kontakte nur zu häufig strukturelle ähnlichkeiten mit dem ersten album einer "the-band" auf. nach einem halben bis dreiviertel jahr hat man das untrügliche gefühl, man habe sich alles erzählt und alles miteinander erlebt, was es zu erleben gibt. entweder, der soziale honeymoon ist dann vorbei und man verbringt wirklich zeit miteinander (und goutiert nicht nur erlebnisse vor dem hintergrund einer begleitung) oder das gefühl des attrahiertseins verschwindet so schnell, wie es gekommen ist. dabei wäre ich so gern weniger nachtragend, viel geduldiger und eine bessere bekannte, als ich es bin. denn das wirklich betrübliche ist: ich bin eine recht passable freundin.
ich wische verkotzte bäder, chauffiere zu jeder tages- und nachtzeit auf flughäfen und bahnhöfe (maximale entfernung 150 km, einfach), schwindele an telefonen, öffne meinen kleiderschrank (und bleibe freundlich, wenn nähte krachen), richte junggesellinenabschiede aus (und bestelle wenn es unbedingt sein muss sogar einen, der sich entblösst), begleite zu aids- und kaufe diskret schwangerschaftstests. ich verzeihe wochenlange funkstillen, bespreche auf feierlichkeiten diskret und auf wunsch des gastgebers den nicht ohne grund von der heiterkeit ausgeschlossenen mitgebrachten gast und verleihe alles, was man mit einer hand bis zum auto tragen kann.
bedauerlich ist: nicht einmal ein prozent der geduld und herzlichkeit, die ich gegenüber freunden und ihren großen und kleinen schwächen aufbringen kann, habe ich für solche temporären bekanntschaften übrig. um einen festen kern aus anderthalb handvoll freunden gruppiert sich ein appendix aus bekanntschaften, der jährlich (nicht abrupt, sondern dezent versetzt) gegen neue saisonware ausgetauscht wird. ich weiss nicht, ob der für freunde reservierte teil des herzens wirklich nur maximal zehn sitzgelegenheiten beinhaltet, von denen ich mir vorsorglich noch ein drittel für die restlichen sechs jahrzehnte aufspare. vielleicht gibt es einfach nicht genug freie gesamtkapazität, weil ich keine allzu große lust auf kaffetrink- und malinskinogehen-bekanntschaften habe. ich empfinde es als anstrengend, die ersten paar stockwerke nach dem beeindruckenden durchqueren des foyers auf mich zu nehmen. ich stehe lieber kurz am empfang, sinke gemütlich in alles, was sowieso gerade herumsteht, nehme dankend das, was auf tabletts gereicht wird und verabschiede mich höflich dankend wenn man mir erklärt, mein zimmer sei nun bereit für mich, der aufzug aber leider defekt. ob ich nicht flink die drei stufen zu fuss...?
bekanntschaften und kurzfristig zu intimeren bekanntschaften aufgeblähte sozialkontakte machen in diesem sinne leider keine ausnahme, in den letzten schätzungsweise 6 jahren gab es pro jahr ein bis zwei menschen, zu denen ich mich hingezogen fühlte, mit denen ich zeit verbringen wollte und die mir wichtig waren. leider wiesen diese kontakte nur zu häufig strukturelle ähnlichkeiten mit dem ersten album einer "the-band" auf. nach einem halben bis dreiviertel jahr hat man das untrügliche gefühl, man habe sich alles erzählt und alles miteinander erlebt, was es zu erleben gibt. entweder, der soziale honeymoon ist dann vorbei und man verbringt wirklich zeit miteinander (und goutiert nicht nur erlebnisse vor dem hintergrund einer begleitung) oder das gefühl des attrahiertseins verschwindet so schnell, wie es gekommen ist. dabei wäre ich so gern weniger nachtragend, viel geduldiger und eine bessere bekannte, als ich es bin. denn das wirklich betrübliche ist: ich bin eine recht passable freundin.
ich wische verkotzte bäder, chauffiere zu jeder tages- und nachtzeit auf flughäfen und bahnhöfe (maximale entfernung 150 km, einfach), schwindele an telefonen, öffne meinen kleiderschrank (und bleibe freundlich, wenn nähte krachen), richte junggesellinenabschiede aus (und bestelle wenn es unbedingt sein muss sogar einen, der sich entblösst), begleite zu aids- und kaufe diskret schwangerschaftstests. ich verzeihe wochenlange funkstillen, bespreche auf feierlichkeiten diskret und auf wunsch des gastgebers den nicht ohne grund von der heiterkeit ausgeschlossenen mitgebrachten gast und verleihe alles, was man mit einer hand bis zum auto tragen kann.
bedauerlich ist: nicht einmal ein prozent der geduld und herzlichkeit, die ich gegenüber freunden und ihren großen und kleinen schwächen aufbringen kann, habe ich für solche temporären bekanntschaften übrig. um einen festen kern aus anderthalb handvoll freunden gruppiert sich ein appendix aus bekanntschaften, der jährlich (nicht abrupt, sondern dezent versetzt) gegen neue saisonware ausgetauscht wird. ich weiss nicht, ob der für freunde reservierte teil des herzens wirklich nur maximal zehn sitzgelegenheiten beinhaltet, von denen ich mir vorsorglich noch ein drittel für die restlichen sechs jahrzehnte aufspare. vielleicht gibt es einfach nicht genug freie gesamtkapazität, weil ich keine allzu große lust auf kaffetrink- und malinskinogehen-bekanntschaften habe. ich empfinde es als anstrengend, die ersten paar stockwerke nach dem beeindruckenden durchqueren des foyers auf mich zu nehmen. ich stehe lieber kurz am empfang, sinke gemütlich in alles, was sowieso gerade herumsteht, nehme dankend das, was auf tabletts gereicht wird und verabschiede mich höflich dankend wenn man mir erklärt, mein zimmer sei nun bereit für mich, der aufzug aber leider defekt. ob ich nicht flink die drei stufen zu fuss...?
Miss Manierlich - 14. Jan, 22:25
