16
Jan
2007

MiuMeu 164,99 €

neulich beim mittagspausenkurzschlendern durch die stadt, vorbei am schuhverkäufer des vertrauens, bei dem gerade der sog. sale extravaganza (u.a. auch hier - mein tipp für eine dauerhaft geliebte investition wären die nachtblauen pedro garcia-schläppchen und die grandiosen miumiu-heels mit dem kindergeburtstags-glitzersteinbastelabsatz!) einzug gehalten hat, fiel mein blick auf ein preisschildchen eines paar zweitlinienpömps und im ersten moment verflitterte die fensterscheibe das dargebotene zu miumeu, 164 €.

eigentlich keine allzu üble vorstellung: ich als triumphierende schlussverkaufsware in einem schaufenster. zwei geschäfte weiter ärgerte ich mich dann schon darüber, warum ich mich selbst als reduzierten restposten sah. viel lieber wäre ich das dramatisch auf einem gläsernen sockel thronende kassengift, der glitzernde ladenhüter, der unverkäufliche schwarze obelisk.

verkaufen lassen würde ich mich schon ganz gern, vieleicht aber doch nicht unbedingt als damenfussbekleidung, sondern lieber als flauschige fuchsstola, energisch im frühlingswind flatternder leinenrock oder als pfeilförmige onyxbrosche. ich wäre gern etwas, dass niemand sonst haben möchte - sowohl weil ich keine zwillingsschwestern in kartons in einem verstaubten lager haben möchte als auch aufgrund des umstandes, dass ich nur einen besitzer haben möchte. ich wäre gern ein stückchen prohibitiv teure nutzlosware, wie die caramelfarbenen streuner mit den rasseuntypisch abgeknickten ohren oder der zitternden, uncoupierten rute.

natürlich möchte ich kein unverkäufliches einzelstück im sinne von will-keiner-haben wie etwa das blödsinnige chimärenmopped von bmw oder der minidiscplayer ( wobei: so unverkäuflich war der nicht. ich hatte einen silbernen von sony, weil ich die minidiscs so unendlich schick fand!) sein. ich möchte einfach nur nichts sein, was jeder direkt haben möchte, weil es so glatt, bedürfnisspiegelnd und bruchlos zwischen wg-zimmer und berlinös verlottertem großraumloft denkbar ist - auf keinen fall beispielsweise ein telefon (!) von (!) apple (!). also, wenn schon ein handy, dann das xelibri puderdosending oder ein romantisches backsteinchen mit einem fünfzeilendisplay.

wobei es ja eigentlich am schönsten wäre, so etwas wie ein upper class stehrumchen zu sein. ich meine: kein nippes, ein bepumpstes krokodil, eine diddlmaus oder etwas ähnlich abwegiges. sagen wir, ich wäre gern etwas, dessen funktion eben nicht auf den ersten blick ersichtlich ist und das man nur einmal im leben (eingeschlossen in einem kühlhaus oder bei einer himalya-expedition oder bei einer entbindung in der wüste von neu-mexico) wirklich - dafür aber richtig braucht. irgendetwas zwischen brautkleid, dem lebensrettenden stückchen abschleppseil und einer telefonnummer.

ich stelle mir das ja sehr hübsch vor, wie ich so in meiner vitrine throne, geschmackvoll ausgeleuchtet und dramatisch auf einem british racing green-farbenen samtplumeau hingeräkelt. meinen preis gibt es natürlich auf keinem noch so dezenten oder geschmackvollen preisschild, dafür muss man schon den schweren gang zu einer blassierten, french manikürten verkäuferin antreten, die, als wäre es das selbstverständlichste von der welt, ein monatseinkommen nennt. exklusive mehrwertsteuer.

gewiss, man schluckt vielleicht kurz und dreht das glitzernde, plüschige, tickende, gefiederte ding , das wie die nächste bizarre evolutionsstufe eines fabergé-eis aussieht in den händen. wenn man aber einige jahre später in einen seidigen morgenmantel gekleidet mit einer mit weissem python verzierten damenschusswaffe, die man mühsam aus dem handtäschchen fischt, einen verzweifelten einbrecher in schach hält, wünscht man sich vermutlich, man hätte mich als totschläger auf dem nachttisch stehen. bestimmt kann man mit mir auch eine nabelschnur auf einem felsplateau abschlagen oder das letzte ei einer aussterbenden tierart heimwärts transportieren. und ich wäre mir nicht sicher, ob ein lächerliches touchscreenhandy in diesen fällen ein sinnvollerer begleiter wäre.
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