Gestern Nacht bei Schnitzlers
Der junge Herr sieht ihr nach, bei der Tür wendet sich das Stubenmädchen nach ihm um; der junge Herr schaut in die Luft. – Das Stubenmädchen dreht den Hahn der Wasserleitung auf, läßt das Wasser laufen. Währenddem geht sie in ihr kleines Kabinett, wäscht sich die Hände, richtet vor dem Spiegel ihre Schneckerln. Dann bringt sie dem jungen Herrn das Glas Wasser. Sie tritt zum Diwan.
in mir rumort es. was ich unter anderem daran merke, dass ich des nächtens nicht nur träume (und mich vivide daran erinnere), sondern diese träume auch ganz sicher nicht mir gehören, mir entstammen. natürlich macht ein solcher gedanke nicht im mindesten und schon gar nicht im freudschen sinne, äh, sinn: trotzdem bin ich fest davon überzeugt, dass ich manchmal dinge träume, die eigentlich zu einer anderen person gehören. besonders bösartig und beunruhigend an dieser annahme ist der umstand, dass dann in einem anderen bett auch jemand meine träume konsumiert.
heute nacht hatte ich einen zimmermädchentraum. und zwar einen, der verdächtig deutliche pornographische elemente hatte - u.a. trug ich die klassische schwarzweisse fetischuniform. zum glück nicht aus billigem bahnhofssexshoplatex, sondern aus einem matten stoff, der in so strenge falten gelegt war, dass man sich daran hätte schneiden können. natürlich wurde in meinem traum feinstes schnitzlersches frivol-wienerisch gesprochen. wenn ich´s mir genau überlege: vielleicht war es doch steirisch, alles was gesprochen wurde tropfte zäh wie schwarzgrünes kernöl und war von jener beleidigenden zweideutigkeit des banalen, dass ich mich direkt zu ärgern begann, dass meinem traum-stubenmädchenich nichts weniger zigarrenhaftes einfallen wollte. zum glück trippelte ich weder mit einem braun gefiederten wedel durch die wohnung, noch existierte ein wollüstiger filius, dessen gemach im schlimmsten falle direkt an mein (sicher karg und mit einem waschkrug ausgestattetes) zimmer hätte grenzen können.
aus dem umstand, dass ich die ganze zeit in einem stubenmädchenkörper durch gänge trippelte und mich selbst höchstens im beschlagenen spiegel einer großküche sah, muss ich schliessen, dass der urheber des traumes mindestens fetischist war. ich sah mich morgens ein frühstückstablett mit einer mousse aus vorher eigenhändig gemörserten schlaftabletten und einem stechapfelzweig dekorieren. ich umkreise kurz mit einem ausrasierten pudel, der dem baisserhaften exemplar thomas mann neid in die locken getrieben hätte, einen verwaisten teich und sehe mich gefühlte hunderte hühner für ganze badewannen voll bouillon rupfen, entfußen und zerkleinern. achja: einen riesigen korb voll pechschwarzer eier schleppte ich auch noch herum. bevor ich allerdings zeugin des schlüpfens werden musste, knallte die balkontür lautstark zu und klickte meine traumaktivität herunter in den vierten gang. später wurde, nach rasanter fahrt durch eine wahre zimmerflucht (alle mit penibel arrangierten, barock anmutenden astern- und dahliengestecken geschmückt), die traumhaft überschwere, mit streublümchen verzierte bettdecke eines älteren herren auf einem balkon ausgeschüttelt, bis es kristallisierte pissflöckchen regnete.
wie man nach sich nach einem solchen traum noch anders als beschämt im spiegel betrachten können soll, würde mich wirklich interessieren.
Miss Manierlich - 20. Jan, 01:46
