Was passiert
es ist hier gerade etwas still, weil draussen so viel passiert. und seit gestern nachmittag rast in mir alles noch viel mehr, ich rauche eine zigarette nach der anderen und spüle die dann noch verbleibende aufregung mit kaffee herunter. wenn mich der stern der glücksschweingöttin ordentlich bestrahlt, dann tut sich nämlich gerade ein schleichweg aus der kulturhölle auf. aus diesem verdammten projektchen- und aktiönchenzyklus. dann kann ich aufhören, an letztminütig verlängerte jahresverträge und in projektförderzeiträumen zu denken. und das fühlt sich auch aus der zeitlichen und räumlichen entfernung heraus schon so gut an, dass es zum heulen ist.
da weitet sich gerade etwas und irgendwo ganz tief drinnen kippen mauern zusammen, faltet sich der himmel und glitzert wieder etwas am grund der frühverwitterten, frustrationsmarmormierten erwerbsbiographie.
man redet sich bestimmte zustände gern schön, wenn die tapas im barlicht glänzen und die anderen von zu früh zu unausweichlich vorgezeichneten berufswegen sprechen, von der kollegin mit der man die nächsten 30, 40 jahre in einer dürftigen notgemeinschaft arbeiten muss. dann spiesst man ein stück marinierte feige auf und schwadroniert über die freuden der stetig wechselnden projekte, nickt mitleidig über ein leben, das bereits vor dem dreissigsten lebensjahr durch die überstürzte studienplatzwahl einer aufgedrehten abiturientin nun in betonsockel gegossen vor einem steht. warum wollte ich noch einmal werden, was ich jetzt nicht sein will....?
wenn ich die augen jetzt ganz fest schliesse, die dicken samtvothänge vor das draussen hänge und vorsichtig den ersten fußabdrücken im gras folge, die seit gestern abend ins dickicht führen, dann fühlt sich die eventuell anstehende, vielleicht letzte berufliche entscheidung gut, richtig und vor allem dringend notwendig an. mehr als alles andere will ich einmal eine münze über mein leben werfen, die ich danach nicht wieder in die hand nehmen muss. das ist eine pathetische und beinahe romantische sicht, aber verdammt: bitte keine unentschlossenheit mehr, die sich als sexy flexible freiheit tarnt.
ich will ein poliertes namensschild und ein postfach. ich will honigfarbene parkettseen in der wohnung und wenn ich abends in mein scheppernd aufseufzendes messingbett falle, dann wäre ich gern müde von arbeit und nicht von einem weiteren projektchen.
die letzten jahre haben ich mich manchmal gefühlt, wie eine animateurin in einem hotel auf fuerteventura, der man immer wieder suggeriert, wie toll es doch sein müsse zu arbeiten, wo andere urlaub machen. man sitzt den ganzen tag zwischen sonnenverbrannten bäuchen, wässrigen cocktails und lastminute-schnäppchen mit meerblick und versucht, sich als sprungfeder in dieser im-urlaub-muss-man-sich-auch-mal-was-gönnen-stimmung irgendwie am leben zu halten. mit der zeit verschwimmt die grenze zwischen eigener arbeit und fremden urlaubsfreuden und irgendwann treibt man vollkommen ziellos in dieser disneylandtätigkeit und weiss gar nicht mehr, ob man hier gerade am urlaub anderer leute arbeitet oder während der arbeit lauter kleine fremde kurzurlaube einlegt. man reibt sich auf und lässt sich von dieser spaßbudenathosphäre einsaugen. man stösst wie eine qualle oder ein pilz sporenschwaden aus projektvorschlägen und ideenwölkchen ab und für den kurzen kaffee und das fettige croissant zwischendurch ist auch immer zeit.
jetzt drücke ich mir vollkommen aufgekratzt selbst die daumen und schreibe abends still und heimlich an meinem vielleicht letzten projektvorschlag. das fühlt sich geheimnisvoll und beinahe konspirativ an: abends sammele ich rotgebrannte backsteine für feste mauern und verlege ein komplettes leitungssystem um ein leben, das im moment noch in einem hochflexiblen kleinen wohnei aus gebürstetem aluminium besteht, dessen abwasser jeden tag in eine andere wiese sickert. und vielleicht rollt mein wohnwägelchen demnächst in den carport eines schmucken einfamilienhauses, von dessen mansarde aus ich dann gelassen den karawanen der flexiblen endzwanziger nachwinke, die gerade auf dem weg zum nächsten großen ding sind.
da weitet sich gerade etwas und irgendwo ganz tief drinnen kippen mauern zusammen, faltet sich der himmel und glitzert wieder etwas am grund der frühverwitterten, frustrationsmarmormierten erwerbsbiographie.
man redet sich bestimmte zustände gern schön, wenn die tapas im barlicht glänzen und die anderen von zu früh zu unausweichlich vorgezeichneten berufswegen sprechen, von der kollegin mit der man die nächsten 30, 40 jahre in einer dürftigen notgemeinschaft arbeiten muss. dann spiesst man ein stück marinierte feige auf und schwadroniert über die freuden der stetig wechselnden projekte, nickt mitleidig über ein leben, das bereits vor dem dreissigsten lebensjahr durch die überstürzte studienplatzwahl einer aufgedrehten abiturientin nun in betonsockel gegossen vor einem steht. warum wollte ich noch einmal werden, was ich jetzt nicht sein will....?
wenn ich die augen jetzt ganz fest schliesse, die dicken samtvothänge vor das draussen hänge und vorsichtig den ersten fußabdrücken im gras folge, die seit gestern abend ins dickicht führen, dann fühlt sich die eventuell anstehende, vielleicht letzte berufliche entscheidung gut, richtig und vor allem dringend notwendig an. mehr als alles andere will ich einmal eine münze über mein leben werfen, die ich danach nicht wieder in die hand nehmen muss. das ist eine pathetische und beinahe romantische sicht, aber verdammt: bitte keine unentschlossenheit mehr, die sich als sexy flexible freiheit tarnt.
ich will ein poliertes namensschild und ein postfach. ich will honigfarbene parkettseen in der wohnung und wenn ich abends in mein scheppernd aufseufzendes messingbett falle, dann wäre ich gern müde von arbeit und nicht von einem weiteren projektchen.
die letzten jahre haben ich mich manchmal gefühlt, wie eine animateurin in einem hotel auf fuerteventura, der man immer wieder suggeriert, wie toll es doch sein müsse zu arbeiten, wo andere urlaub machen. man sitzt den ganzen tag zwischen sonnenverbrannten bäuchen, wässrigen cocktails und lastminute-schnäppchen mit meerblick und versucht, sich als sprungfeder in dieser im-urlaub-muss-man-sich-auch-mal-was-gönnen-stimmung irgendwie am leben zu halten. mit der zeit verschwimmt die grenze zwischen eigener arbeit und fremden urlaubsfreuden und irgendwann treibt man vollkommen ziellos in dieser disneylandtätigkeit und weiss gar nicht mehr, ob man hier gerade am urlaub anderer leute arbeitet oder während der arbeit lauter kleine fremde kurzurlaube einlegt. man reibt sich auf und lässt sich von dieser spaßbudenathosphäre einsaugen. man stösst wie eine qualle oder ein pilz sporenschwaden aus projektvorschlägen und ideenwölkchen ab und für den kurzen kaffee und das fettige croissant zwischendurch ist auch immer zeit.
jetzt drücke ich mir vollkommen aufgekratzt selbst die daumen und schreibe abends still und heimlich an meinem vielleicht letzten projektvorschlag. das fühlt sich geheimnisvoll und beinahe konspirativ an: abends sammele ich rotgebrannte backsteine für feste mauern und verlege ein komplettes leitungssystem um ein leben, das im moment noch in einem hochflexiblen kleinen wohnei aus gebürstetem aluminium besteht, dessen abwasser jeden tag in eine andere wiese sickert. und vielleicht rollt mein wohnwägelchen demnächst in den carport eines schmucken einfamilienhauses, von dessen mansarde aus ich dann gelassen den karawanen der flexiblen endzwanziger nachwinke, die gerade auf dem weg zum nächsten großen ding sind.
Miss Manierlich - 19. Sep, 13:29
