29
Feb
2016

Heute, 29.02.

Aufstehen um kurz nach sieben, ausgiebig duschen und dem Wasserdampf auf dem Weg nach draußen durchs geöffnete Fenster nachschauen. Katzige Morgenroutine absolvieren, ankleiden. Heute: blickdichte Strumpfhose, violette VS-Unterwäsche (den letzten Miami-Urlaub dazu genutzt, endlich komplette, gleichfarbige Ensembles zu erstehen. Freue mich jedes Mal darüber, fühlt sich gleich grand-damiger an), eins der beiden Lieblingskleider mit hauchdünn gestricktem Oberteil und wildseidigem Unterteil übergeworfen, Strickjäckchen drüber, fertig.

Morgenzigarette auf dem Balkon, der Rhein ist grau und schnell, kein Hauch Sonnenaufgang zu sehen, ich bin einer von den Menschen geworden, die Frühstücksfernsehen schauen, um in Tagestaktung zu kommen, Nachrichten und Wetter, dann rein in die Chelseaboots und ab in die Maloche.

Eisige Stimmung im Büro, mehrmals zieht schweigend der Silberrücken vorbei, Tage mit schwarzem Hemd (steht ihm nicht, macht das ganze wohldosierte Ensemble merkwürdig eighties) sind aus Erfahrung schlechte Tage. Nervös höre ich zu, wie er im Nebenbüro mit den Jungs über Fußball spricht, meine Haltung strafft sich erwartungsvoll, als das Gespräch abbricht, aber er würdigt mich keines Blickes.

Unangenehmes Gespräch mit einer meiner weinerlichsten Mitarbeiterinnen, irreale Ängste sprudeln auf mich ein, ich kann mich nur schwer zusammenreissen und versuche positive Stimmung entgegen zu setzen. Es folgt eine merkwürdig angespannte Besprechung zu einer geplanten Veranstaltung, ich fühle mich beobachtet und heuchele frohe Stimmung angesichts des Geleisteten. Ich weiss nicht, woher die Haltung kommt, Erledigung von klar zugeordneten Aufgaben erfordere immer jubelndes Flossenklatschen vom Vorgesetztenseehund. Ich applaudiere trotzdem höflich.

Nächste Besprechung, dieses Mal bei den Erzfeinden des Chefs, wie immer verstehe ich die aufgestauten Affekte nicht und habe Schwierigkeiten, die Härte die man von mir erwartet auch zu zeigen. Im Gespräch selbst werden die hauseigenen goldenen Kälber eingefahren und wir tanzen ein bisschen.

Zurück in die Basis, aus dem Besprechungszimmer Töne und Gerüche die nach rundem Geburtstag klingen. Ich nehme mir das kleinste Übel (trockene Brezel) und stelle mich kurz irgendwo dazu. Zum Glück war ich mehr als eine Dreiviertelstunde zu spät und die Runde ist bereits in Auflösung begriffen. Ab ins Büro, kurzer Mailcheck, danach die erste Besprechung, die mich inhaltlich interessiert. Folglich verplaudere ich mich direkt mit der berichtenden Mitarbeiterin und dem schwergeschätzten Teamleiter. Ich komme fast zu spät zum doch noch eilig anberaumten Gespräch mit dem Chef, Langeweile und etwas diffus Genervtes wehen über den Schreibtisch. Ich bin angespannt, taste mich von einem Thema ins nächste, schiebe die eigentlich grandiose Nachricht nach hinten (wir sind ins Austauschprogramm aufgenommen, ich fahre 14 Tage ins Ausland) und vermiese sie mir selbst durch diese Taktik ein bisschen. Ich hatte mich unglaublich gefreut, jetzt höre ich mir selbst dabei zu, wie ich das Ganze als Randnotiz verkaufe.

Nächste Besprechung, dieses Mal mit freudigem Grundton über Neues und Zukünftiges, die Mitarbeiterin vermittelt ehrliche Vorfreude und lässt Ideen über den Tisch kullern. Danach fülle ich mit verkatertem Grundton das Teilnehmerformular aus und schreibe streberig die Nummer meines schon bestehenden Nichtvisa-Visas mit auf den Bogen.

Gegen 18:00 wird schlagartig die Luft aus mir herausgelassen, ich rolle durch die Gänge und verabschiede die noch verbliebenen Kollegen, in meinem Kopf blinkt nur noch ein raus,raus,raus-Schild. Auf dem Weg zur Straßenbahnhaltestelle kaufe ich drei Brezeln.

Im Briefkasten wartet ein Brief eines Parking Violations Bureaus in Florida, abgestempelt im Januar, ich erwarte das Schlimmste. Drinnen ein knapp 100-Dollar-Knöllchen garniert mit aufgeplusterten Drohungen. Ich bin wütend und frage mich, warum die Autovermietung das nicht von der Kaution abziehen konnte, wozu man bei Anmietung eine Kreditkarte für genau solche Fälle hinterlegt, warum man im Jahr 2016 für Parkvergehen mit Briefen kommuniziert, wie horrende Mahnkosten anwachsen, ohne das eine Mahnung angekommen wäre. Fluchend suche ich auf einer Website aus der Hölle den Ort, wo ich willenlos eine Zahlung veranlasse und mich immernoch ärgere. Ich lache das erste Mal an diesem Tag als mir klar wird, dass ich aus der diffusen Angst heraus überwiesen habe, nach Ignorieren und Schulterzucken bei der nächsten Einreise in Handschellen gleich wieder zurück ins Flugzeug gesetzt zu werden. Ich lache, weil sich diese Sorge gleichzeitig paranoid und durchaus gewollt und im Sinne des Erfinders anfühlt.

ich freue mich auf die Dusche, Schokoladenpuffreis und zwei, drei Stunden Zimmersuche für den Japanurlaub im Mai.
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