1
Mrz
2016

Heute, 01.03.

Ich habe verschlafen und hetzte den verlorenen 15 Minuten den ganzen Tag hinterher. Es gibt keinen Kaffee, nur ein oberflächliches Sich-Fertigmachen. Ich steuere mich selbst in einen Rippchenpullover, einen tweetigen Rock und die üblichen Blickdichten, greife ferngesteuert in die Obstschale und versuche, mich selbst einzuholen. In "Mustererkennung" gibt es für Jetlag das Bild des eigenen Körpers, der der Seele voraus ist, die sich ihrerseits wie an einer Jojo-Schnur erst hinterher rollen muss. Ich habe das Gefühl, meine Schnur wickelt sich immer weiter auf.

Ich freue mich eigentlich jeden Morgen darüber, in der Straßenbahn über den Rhein zu fahren - zumindest das funktioniert noch, aber zum ersten Mal spüre ich meinem Blick hinterher, der meine Fenster und den Balkon irgendwo dahinten sucht.

Im Büro wartet ein Termin, der angenehm eine routinierte Anzahl von Entscheidungen abfordert, es gibt um banalstes Organisieren, ich komme langsam in den Takt des Tages. Nach anderthalb Stunden spüre ich wohlig,wie sich Soll und Ist aufeinanderlegen, ich gönne mir bis zur Mittagspause ein bisschen Statistik, erfreue mich an der Arbeit mit Daten und fummele mich langsam wieder in Clusteranalysen.

Mittagspause mit dem Lieblingskollegen, der sich heute ärgerlicherweise nur über Arbeitskram unterhalten will, ich versuche das Gespräch zumindest ein bisschen klatschiger zu gestalten, als Kompromiss denken wir uns quatschige englische Begriffe für ein aktuelles Projekt aus und vereinbaren fest, selbige in den kollektiven organisationalen Sprachschatz einzuschmuggeln, indem wir ab jetzt hochernst versuchen, diese Begriffe so häufig wie möglich zu benutzen. Wir stellen beide fest, dass ich die und meine nur bedingt kontrollierte Mimik die Schwachstelle im Plan sind. Zum Nachtisch gibt es ein Eclair bei dem Konditor, der am großzügigsten füllt.

Am Nachmittag quälende Blicke ins SAP, ich tue mich nachwievorextrem schwer damit, hier die Kontrolle so vollständig abzugeben, da meine Kenntnisse quasi nicht vorhanden sind. Ich schwanke immernoch zwischen dem Gedanken, dieses Nichtwissen zuzulassen oder dagegen anzuschulen, was angesichts der Komplexität eigentlich lächerlich ist, zumal ich hier ein halbes Dutzend routiniert mit SAP arbeitender Mitarbeiter habe. Ich will gar nicht wissen, gegen welche Defizite und Ängst ich hier gerade erneut mit Fachlichkeit angehe. Für heute freue ich mich daran, dass es nach über einem Jahr auf der neuen Stelle immernoch so extrem viel potentiell zu Erlernendes gibt.

Heute frühes Heimgehen, gegen halb sechs sitze ich in der Bahn, besorge Fenchel und Sellerie für Salat, auf die ich schon im Treppenhaus nur noch wenig Lust habe. Auf meiner Seite des Rheins gibt es leider kein anständiges Sushi (alternativ habe ich absurderweise immer, wirklich immer Lust auf die leicht angeusselte Stimmung bei Nordsee, Scholle mit puddingdicker Buttersauce wäre jetzt schön), ich packe das Gemüse in den Kühlschrank und mich selbst in maximal gammelige Sofaklamotten. Jetzt: Japanische Tierkreisfigürchen suchen.
logo

Miss Manierlichs Manierismen

Aktuelle Beiträge

Wer anders leben will,...
Na ja. Weitgehend muss ich Ihnen da schon Recht geben,...
damals (Gast) - 19. Mai, 23:21
Heute, 16. Mai
Dienstreise, Mittelklassehotel, das offizielle Programm...
Miss Manierlich - 16. Mai, 22:43
Herrje, ich will mir...
Herrje, ich will mir gar nicht vorstellen, wie es gewesen...
Miss Manierlich - 16. Mai, 21:50
Dabei haben diese Damen...
Dabei haben diese Damen manchmal die interessantesten...
kid37 - 14. Mai, 18:00
Heute, 7. Mai
Wir suchen im Café im Schlosspark den schönsten...
Miss Manierlich - 7. Mai, 16:40

Archiv

März 2016
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 4 
 5 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Schimpf und Schande - behave!

manierlich (at) web.de

Suche

 

Status

Online seit 4110 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 14. Aug, 21:09

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page

twoday.net AGB


Anhedonie
Aufgelesen
Bloschenromane
Diorama
Dolce & Dubios
Miu Meu
Scarpediem
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren