Heute, 24. Juli

Hallihallo, Edition F!

Schluss soll endlich mal wieder sein. Dieses Mal mit der Schikane (!) von Müttern beim beruflichen Wiedereinstieg.

Vielleicht verdeutlicht die Verwendung des Begriffes "Unternehmen" im Artikel ja, dass sich Eure Ausführungen nur auf die Privatwirtschaft beziehen, denn aus dem öffentlichen Dienst hört man ja hier und da was anderes, aber wie auch immer: Schikane?! Ernsthaft?!

Der Reihe nach:

Da gibt es Hunderttausende größtenteils hoch qualifizierter Arbeitskräfte, deren Motivation ebenso groß sein dürfte wie ihre Fähigkeit, Dinge effizient zu organisieren und umzusetzen. Ich spreche von Müttern.


Schön zu wissen, dass Mütter nicht nur größtenteils "hoch qualifiziert" sind (was genau darf ich mir darunter vorstellen?), sondern qua Mutterschaft auch noch magische Fähigkeiten im Organisieren und "Umsetzen" gewonnen haben. Und die Motivation erst! Können wir uns nicht drauf einigen, dass Mütter so qualifiziert, motiviert und organisiert sind wie andere Mitarbeitende auch- beispielsweise kinderlose Frauen oder gar weisse, mittelalte Männer? Ich spreche, gerade als Personalverantwortliche in einer Organisation mit ca. 8.000 Mitarbeitern, gern von Menschen.


Aber jetzt verrate ich den Personalern und den Unternehmen, die glauben, sie könnten sich ein Verhalten wie oben beschrieben leisten, mal ein Geheimnis: Das dicke Ende wird kommen. (...) Ich bin jetzt auch im Spiel, (...).


Whooohoo - er ist jetzt auch mit im Spiel, der krasse Gamechanger! Darf ich ein Geheimnis zurück verraten? Wenn ich mir mal unsere Bewerberspiegel für Stellen im Bereich von ca. 40.000 -50.000 € Jahresgehalt anschaue (also noch nichtmal das mittlere oder das Spitzenmanagement, sondern Standardjobs) , habe ich jetzt nicht so arg das Gefühl, dass hier irgendein dickes Ende kommt. Es tut mir leid, aber: Bereits in diesen Gehaltsklassen bekommen wir quasi alles, was wir wollen. Promoviert, mehrjährige Auslands- und Projekterfahrung, mehrsprachig, ehrenamtlich engagiert Geschlecht und Alter kann ich mir aus einem breiten Spektrum aussuchen. Warum? Weil wir ein verdammt attraktiver Arbeitgeber sind. Auch weil wir nicht unbegrenzt und auf Kosten unserer Vollzeit arbeitenden Mitarbeitenden (schonmal daran gedacht?) auf die Bedürfnisse nach maximaler Flexbilität einzelner Mitarbeitergruppen eingehen. Wir haben Teams mit teilweise mehr als 50% Mitarbeitenden in Teilzeitarbeitsmodellen, da kommt Freude auf, wenn jemand krank wird, Urlaub koordiniert werden will oder - huch - auch noch ein Problem autaucht. Fürsorgepflicht meint eben auch Verantwortung für die armen Schweine, die unverheiratete, kinderlose Singles sind und die nicht immer einspringen, auffangen und zurückstecken wollen.


Wir wehren uns gegen die Abwertung ganzer Bevölkerungsgruppen und dagegen, dass ihr uns allen die Vereinbarkeit so schwer macht. Ihr seid nicht mehr der Mittelpunkt von allem. Wir sind es.


Falsch. Wir (ich nehme mal an, gemeint ist der böse Arbeitgeber?) sind der Mittelpunkt Eures Berufslebens. Auf alle anderen Mittelpunktjobs in Eurem Leben verzichten wir ganz gerne. Und wir (seufz) sind es leid diejenigen zu sein, die eine Vereinbarkeit herstellen müssen, die an ganz anderer Stelle verkackt wird. Ich wünsche mir von Herzen flächendeckende Ganztagsbetreuungsangebote - aber wenn´s die nicht gibt, kann doch die Lösung nicht darin bestehen, dass der Arbeitgeber dauerhaft einspringt? Dass Eure Kollegen die Flexbilität aufbringt, die Eure Kindertagesstätte nicht leisten kann? Dass Schikane genannt wird, was schlichtweg rationale Sicherung Eures Arbeitsplatzes ist? Kein Kunde wartet, weil Eure Kinder Durchfall haben. Niemand der uns bezahlt, Leistungen und Services zu erbringen ordnet seine Bedürfnisse Euren Privatangelegenheiten unter.


Ich bin die Diskussionen leid, in denen sich vor allem junge Frauen gegenseitig ihr Leid klagen: von unnachgiebigen Arbeitnehmern, diskriminierenden Vorgesetzten und schikanösen Kolleg_innen.


Ich bin die Diskussionen auch leid. Ehrlich. Ich bin die Ansprüche leid. Das trotzige Einfordern von Wertschätzung und Achtung Eurer Bedürfnisse. Den beinahe hämischen Ton in Beiträgen wie dem verlinkten: da tropft sie aus den Zeilen, die schadenfroh-beleidigte vermeintliche Kenntnis eines Wandels der Arbeitswelt, in der böse, mütterschikanierende Arbeitgeber schon noch sehen werden, was passiert (hier bitte Superschurkenlachen einblenden). Witzig, wie Ihr Euch auf den demographischen Wandel freut und diesen herbeisehnt. Kann der War for Talents mal bitte schnell kommen: ich brauche echt dringend einen verständnisvollen Arbeitgeber!


Die Zeit ist ohnehin auf unserer Seite.



Krass, diese Gewissheit hätte ich auch gern, ehrlich. Welche Zeit genau soll denn hier kommen? Die Zeit, in der Arbeitgeber morgens Chiapudding und vegane Muffins anbieten, jeden Tag bring-your-kids-to-work-day ist und Vorgesetzte verständnisvoll lächeln, wenn Eltern mitten im größten Stress ein krankes Kind aus der Kita abholen und frei nehmen müssen? Jetzt verrate ich mal ein Geheimnis: diese Zeit wird nicht kommen. Nicht so und nicht so schnell. Wie wäre es bis dahin mit Kompromissen, gegenseitigem Verständnis und dem Abstieg vom Elternthron der moralischen Überlegenheit? Momentan brauchen wir uns erstmal beide: ich Eure Arbeitskraft, ihr Euer Gehalt. Seid Ihr gut, habe ich keinen Grund, Euch zu schikanieren oder auszutauschen - aber diejenigen, die mir drohen und sich selbst als unverzichtbar darstellen, provozieren mich leider zur Probe aufs Exempel. Wir sind eben beide ersetzbar; ihr könnt Euch alternativ den Arbeitgeber Eurer Träume suchen, ich mir den entsprechenden Mitarbeitenden.

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