Die Liebe währt drei Jahre

kennt das jemand? jenen bezaubernden letzten teil der marronier-trilogie von beigbeder? in dem der protagonist seiner angebeteten sagt, ihr name sei nicht alice, sondern alice-ich-liebe-dich? in dem so schöne sätze stehen wie: mit dir ist alles schön - sogar ich?

ist vielleicht besser so, das buch nicht zu kennen - anfangs wirkt es tröstlich, später aber ungemein bedrückend. besonders wenn die drei jahre gerade zur neige gegangen sind und man nachts immer öfter im bett liegt und sich fragt, wer zum teufel da zwei kilometer weiter seinerseits im eigenen bett liegt.

man fasst sich seltener an nach drei jahren. vielleicht stimmt die qualität noch - aber der vorbote der abnehmenden quantität lässt bereits tief blicken. man wird zum paranoiden beobachter der eigenen lust: seufzt er noch wie früher? wie lange habe ich einen schwanz im mund ,oder sonstwo, bis zur ejakulation? häufen sich die gelegenheiten, zu denen man früher panisch übereinander herfiel und sich ineinander verkrallte - und in denen man jetzt gemeinsam fernsieht und wartet, bis die haare trocken genug zum einschlafen sind? wie oft hörst du noch musik, liest ein buch oder einen artikel, den du ganz dringend, jetzt sofort und nachts um halb vier mit dem anderen teilen musst? gibt es eigentlich noch gänsehaut?

ich warte auf nichts mehr. irgendwie ist alles passiert, was passieren kann, was erlebbar ist, was erlebt werden musste. nachdem anfänglich alles wild ineinanderstrudelte und sich körper, erlebtes, erinnerungen, vorlieben und speichel wüst durcheinanderknäulten, trennt sich jetzt alles wie unter einem reißverschluß: meine seite vom bett. deine diätcola im kühlschrank. unsere pullover und röcke schmusen sich im urlaub nicht mehr gemeinsam in zwei taschen durcheinander - jetzt packt jeder für sich selbst. hotelzimmer sind keine erweiterung des reservoirs der lust mehr, sondern orte des übernachtens. zimmermädchen finden keine besudelten laken, traumatisch in ecken kauernde handtücher und umgestossene flaschen mehr, sondern jene typische leere eines ekelhaft gut aufeinander abgestimmten paares.

man taucht gemeinsam auf, hält sich einen abend lang aneinander fest, lächelt, vollendet mechanisch die sätze des anderen, überreicht gemeinsame geburtstagsgeschenke und läuft rund und glatt ineinander. man stöhnt innerlich, wenn der andere auf sein lieblingsthema kommt und rollt gelangweilt in die küche um eine zweite flasche wein zu holen. man liest sich eher aus gewohnheit, denn aus innigkeit vor. man kocht stumpf und ermüdet lieblingsgerichte, kauft rituell rollkragenpullover der lieblingsmarke des anderen und ersteht nicht mehr wie im wunderland des anderen pralinen für die minuten danach, sondern lässt sich gelangweilt irgendwas abgewogenes in ein tütchen stopfen.

es funkelt nicht mehr gülden, wenn die wohnungstür aufgeht - man überlegt, ob man nicht doch noch schnell duscht, vor dem zubettgehen. man liefert sich im auto bei terminen oder morgens im büro ab und kein herz bricht mehr - man gibt einfach ab, was man eine nacht lang benutzen durfte. abschiede sind eher unterbrechungen als leiden.

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