Call me Goldtöpfchen
kosenamen sind ja auch so eine sache – mittlerweile vertrete ich die ansicht, dass man die intensität der liebe an der fülle und exklusivität des benutzten liebessprachlichen inventars bemessen kann. im folgenden meine ganz persönlichen ratschläge fur das kosen:
tiernamen sind nur unter bestimmten umständen gestattet. es ist zum beispiel absolut verboten, männern diminutiv-tiernamen zu verpassen. bärchen, tigerchen und katerchen sind kastrierend – und ganz nebenbei nicht von jener der liebe innewohnenden schaffenskraft beseelt. ja, ich weiss, dass liebe auch liebesblöd machen kann, aber wer seinen partner bärchen nennt, der war schon vorher blöd. an bärchen ist übrigens auch beschissen, dass sich hier weibische urwünsche ausdrücken: das schmalhüftige fräulein, dass sich an den ungezügelten, starken (behaarten...) bär, das tier im manne, anschmiegt. widerlich. tiernamen sind in ordnung, wenn sie auf nicht primär männliche attribute abzielen und eine der jeweiligen beziehung, bzw. dem daraus resultierenden erkenntnisgewinn geschuldete metapher darstellen. waschbär ist also schon ganz ok. ich würde zum beispiel gern mal flamingo genannt werden – aber irgendwie kommt da keiner drauf.
bezüge zum jeweiligen berufsstand oder ausbildungsgrad sind nett – sollten aber noch mit einer prise exklusivität nachgewürzt werden. niemand möchte doch ernsthaft aus der kitchenette (tolles wort. ich stand neulich an der ampel sogar hinter einem vanette) rufen: „einzelhandelsverkäufer? die schnitzelpfanne toskana mit kalorienreduzierter saurer sahne wäre dann fertig?“ hier empfehle ich clevere kleine bildhafte umwege zum ziel, beispielsweise solche, die eine position, eine typische handbewegung oder ein übles klischee zum inhalt haben. das "häuptling" in wichtelhäuptling wäre ein beispiel hierfür – im kern lediglich eine pikant bösartige, betont abfällige und gleichgültige umschreibung dafür, dass dein partner ein verdammt hohes tier ist. Oder gern eins wäre. Oder dass du gern hättest er wäre eins.
sagen, mythen, märchen sowie literarische und historische figuren sind ein nimmer versiegendes schätzkästchen, wenn dir mal gar nichts passendes einfallen will. muss ja nicht unbedingt venus sein – kicherkicher. ich kannte doch tatsächlich mal einen mann, der mich kleine frau stör nannte. (na? wer weiss, woher es stammt? ohne googeln bitte, und putiput hühnchenlord darf auch nicht mitmachen...) hierbei dürfen auch gern die geschlechter verdreht werden: dein "bärchen" ist eine mimose? nichts leichter als das: nenn´ ihn zukünftig erbsenprinz. ein blasser vertreter der fachschaft altphilologie? schneewitterich wäre doch passend. ok, es dürfte klar sein, worauf ich hinauswill.
ticks, spleens und kleine störungen sind ähnlich ergiebig – prinz genji (na? aufmerksam mitgelesen?) nennt mich zum beispiel, wenn ich gierig vor einem luxuspantoffelgeschäft stehe, gern das pradramolett. ok – das habe ich mir ausgedacht –mein freund ist ein stocknüchterner volkswirt, der zum leidwesen seiner umwelt auch philosophie bis zum abschluss gebracht hat. aber es wäre nett, wenn es mal jemand tun würde. flamingofüssiges pradramolett – für eine solche anrede verzeiht man ein halbes dutzend unangenehme eigenschaften... genji nennt mich übrigens in solchen situationen gierauge. und das ist wenigstens besser als maus. oder mausi. oder mäuschen.
womit wir bei den kombinationen wären. hat man sich einmal auf ein hauptwort eingeschworen, fügt man ein beliebiges passendes attribut hinzu, um verführerischen kosenamen den letzten schliff zu geben. genji fährt einen gruseligen, wirklich furchtbaren kleinen altmänner-sportwagen (ja. den, in den der wind in der hp-werbung verliebt ist), der unangenehmerweise in einen hellen blaumetallicton gekleidet ist. um dieses gefährt nun abschliessend lächerlich zu machen, behaupte man einfach steif und fest, die farbe sei veilchenfarben. jene paris-hilton-lidschattenfarbe, die zu einem knallharten altmänner-auto nicht recht passen will. veilchenfarben kann man nun mit jedem, eigentlich liebevoll gemeinten kosenamen mischen, um diesem ein wenig von seiner romantik zu nehmen. ich kosename in diesem sinne im moment: klopfkäfer, perlenhäutiger, zaubernuss, fräuleinherzmörder, musenschänder, drosselbärtchen, stänkerponybändiger und veilchenmobilist.
warum wohl muss die arme königin rumpelstilzchens namen erraten? warum muss bastian (jaja, michael ende ist scheisse, aber hier passt er ganz gut) der kindlichen kaiserin einen neuen namen geben, um sie zu retten? warum denken selbst schwangere teeniemütter länger über einen kindernamen nach, als darüber, ob man nicht doch lieber einen gummi für den autorücksitzfick zu hilfe ziehen sollte? weil uns allen die vorstellung innewohnt, ein name sei eben doch mehr als ein unterscheidungsmerkmal oder eine bezeichnung. sucht euch namen aus, die zumindest die realistische chance haben das wiederzugeben, was ihr euch vor euren einbauschränken gerade extravagantes zu fühlen einbildet. ihr tut es ja doch nicht: ihr fühlt gewöhnlich, ihr liebt gewöhnlich, ihr lebt gewöhnlich – so wie ich übrigens auch. aber mich springt die gewöhnlichkeit in allem was ich tue nicht ganz so vulgär an, wie die bärchen-und schätzchen-genannten und -nenner. vielleicht sollte man sich wenigstens bemühen, das alltägliche und unprätentiöse, das man nun einmal fühlen muss, in einer weise zu bekleiden, dass man den standardkörper darunter nicht sofort erahnt. in diesem sinne: kosenamt mal wieder ein bisschen geistreicher, ja?
tiernamen sind nur unter bestimmten umständen gestattet. es ist zum beispiel absolut verboten, männern diminutiv-tiernamen zu verpassen. bärchen, tigerchen und katerchen sind kastrierend – und ganz nebenbei nicht von jener der liebe innewohnenden schaffenskraft beseelt. ja, ich weiss, dass liebe auch liebesblöd machen kann, aber wer seinen partner bärchen nennt, der war schon vorher blöd. an bärchen ist übrigens auch beschissen, dass sich hier weibische urwünsche ausdrücken: das schmalhüftige fräulein, dass sich an den ungezügelten, starken (behaarten...) bär, das tier im manne, anschmiegt. widerlich. tiernamen sind in ordnung, wenn sie auf nicht primär männliche attribute abzielen und eine der jeweiligen beziehung, bzw. dem daraus resultierenden erkenntnisgewinn geschuldete metapher darstellen. waschbär ist also schon ganz ok. ich würde zum beispiel gern mal flamingo genannt werden – aber irgendwie kommt da keiner drauf.
bezüge zum jeweiligen berufsstand oder ausbildungsgrad sind nett – sollten aber noch mit einer prise exklusivität nachgewürzt werden. niemand möchte doch ernsthaft aus der kitchenette (tolles wort. ich stand neulich an der ampel sogar hinter einem vanette) rufen: „einzelhandelsverkäufer? die schnitzelpfanne toskana mit kalorienreduzierter saurer sahne wäre dann fertig?“ hier empfehle ich clevere kleine bildhafte umwege zum ziel, beispielsweise solche, die eine position, eine typische handbewegung oder ein übles klischee zum inhalt haben. das "häuptling" in wichtelhäuptling wäre ein beispiel hierfür – im kern lediglich eine pikant bösartige, betont abfällige und gleichgültige umschreibung dafür, dass dein partner ein verdammt hohes tier ist. Oder gern eins wäre. Oder dass du gern hättest er wäre eins.
sagen, mythen, märchen sowie literarische und historische figuren sind ein nimmer versiegendes schätzkästchen, wenn dir mal gar nichts passendes einfallen will. muss ja nicht unbedingt venus sein – kicherkicher. ich kannte doch tatsächlich mal einen mann, der mich kleine frau stör nannte. (na? wer weiss, woher es stammt? ohne googeln bitte, und putiput hühnchenlord darf auch nicht mitmachen...) hierbei dürfen auch gern die geschlechter verdreht werden: dein "bärchen" ist eine mimose? nichts leichter als das: nenn´ ihn zukünftig erbsenprinz. ein blasser vertreter der fachschaft altphilologie? schneewitterich wäre doch passend. ok, es dürfte klar sein, worauf ich hinauswill.
ticks, spleens und kleine störungen sind ähnlich ergiebig – prinz genji (na? aufmerksam mitgelesen?) nennt mich zum beispiel, wenn ich gierig vor einem luxuspantoffelgeschäft stehe, gern das pradramolett. ok – das habe ich mir ausgedacht –mein freund ist ein stocknüchterner volkswirt, der zum leidwesen seiner umwelt auch philosophie bis zum abschluss gebracht hat. aber es wäre nett, wenn es mal jemand tun würde. flamingofüssiges pradramolett – für eine solche anrede verzeiht man ein halbes dutzend unangenehme eigenschaften... genji nennt mich übrigens in solchen situationen gierauge. und das ist wenigstens besser als maus. oder mausi. oder mäuschen.
womit wir bei den kombinationen wären. hat man sich einmal auf ein hauptwort eingeschworen, fügt man ein beliebiges passendes attribut hinzu, um verführerischen kosenamen den letzten schliff zu geben. genji fährt einen gruseligen, wirklich furchtbaren kleinen altmänner-sportwagen (ja. den, in den der wind in der hp-werbung verliebt ist), der unangenehmerweise in einen hellen blaumetallicton gekleidet ist. um dieses gefährt nun abschliessend lächerlich zu machen, behaupte man einfach steif und fest, die farbe sei veilchenfarben. jene paris-hilton-lidschattenfarbe, die zu einem knallharten altmänner-auto nicht recht passen will. veilchenfarben kann man nun mit jedem, eigentlich liebevoll gemeinten kosenamen mischen, um diesem ein wenig von seiner romantik zu nehmen. ich kosename in diesem sinne im moment: klopfkäfer, perlenhäutiger, zaubernuss, fräuleinherzmörder, musenschänder, drosselbärtchen, stänkerponybändiger und veilchenmobilist.
warum wohl muss die arme königin rumpelstilzchens namen erraten? warum muss bastian (jaja, michael ende ist scheisse, aber hier passt er ganz gut) der kindlichen kaiserin einen neuen namen geben, um sie zu retten? warum denken selbst schwangere teeniemütter länger über einen kindernamen nach, als darüber, ob man nicht doch lieber einen gummi für den autorücksitzfick zu hilfe ziehen sollte? weil uns allen die vorstellung innewohnt, ein name sei eben doch mehr als ein unterscheidungsmerkmal oder eine bezeichnung. sucht euch namen aus, die zumindest die realistische chance haben das wiederzugeben, was ihr euch vor euren einbauschränken gerade extravagantes zu fühlen einbildet. ihr tut es ja doch nicht: ihr fühlt gewöhnlich, ihr liebt gewöhnlich, ihr lebt gewöhnlich – so wie ich übrigens auch. aber mich springt die gewöhnlichkeit in allem was ich tue nicht ganz so vulgär an, wie die bärchen-und schätzchen-genannten und -nenner. vielleicht sollte man sich wenigstens bemühen, das alltägliche und unprätentiöse, das man nun einmal fühlen muss, in einer weise zu bekleiden, dass man den standardkörper darunter nicht sofort erahnt. in diesem sinne: kosenamt mal wieder ein bisschen geistreicher, ja?
Miss Manierlich - 17. Jun, 08:19
