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ich hatte gestern abend nach dem kino wieder ein für mich beinahe klassisches erlebnis mit siri hustvedts "die verzauberung der lily dahl". obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob es dafür nicht vielleicht einen fachausdruck gibt, beobachte ich seit kindertagen an mir selbst, dass ich mir oft wünsche, ich hätte etwas bestimmtes besser nicht gelesen, weil es mich noch tagelang verfolgt und aus dem mir nicht unmittelbar zugänglichen erfahrungsrepertoire seltsam penetrant sendet.
krabat war das erste buch, das so etwas bei mir auslöste: ich konnte wirklich tagelang nicht schlafen. der seltsame traum, den emil während der zugfahrt nach berlin in kästners "emil und die detektive" hat, war für mich ebenso gruselig - wie unter zwang habe ich die stelle immer und immer wieder gelesen, wohl wissend, dass mich schon eine einzige seite davon nächtelang begleiten würde. hauffs "kaltes herz" hat mich beinahe verfolgt: ich bettelte zu weihnachten drei jahre lang hintereinander an allen feiertagen ins schauspiel gehen zu dürfen, hörte mir in der zwischenzeit die kassette an oder wartete darauf, dass der film im fernsehen gezeigt wurde. es machte mir furchtbare angst und ich habe manchmal vorm schlafengehen beinahe akustisch kalluziniert (" in holland gibts gold.....")
das grundlegende muster ist heute noch gleich, die beiden schlimmsten erlebnisse hatte ich mit nabokovs "gelächter im dunkel" und murakamis "mister aufziehvogel", vielleicht weil in beiden ein sehr starkes dunkelheits- und eingeschlossensein-motiv vorherrscht. ebenfalls zutiefst beeindruckt hat mich der eher banale handlungsstrang in dorian gray, in dem angedeutet wird, dass lord henry dorian mit einem buch vergiftet bzw. verwandelt. ebenso wie dorian habe ich mich extrem in huysmans "a rebours" gestürzt - besonders das kapitel über die orchideen war grauenvoll. oder der abschnitt über das hauspersonal, das mit einer bestimmten niederländischen tracht pittoresk vorm abeitszimmerfenster auf und ab gehen musste....
gestern abend nun die verdammte lily dahl: auf den letzten zeilen bemerkt sie, dass der dorf-cretin eine lebensgroße puppe von ihr gebastelt hat, die ihren körper im kinderalter darstellen soll. mit dieser puppe läuft selbiger nächtens im kostüm des spinnweb aus shakespeares sommernachtstraum durchs dorf. vom ersten moment an, als lily ihn in seiner gruseligen spielhöhle damit ertappt, war mir vollkommen klar, dass ich diesen teil des buches besser nicht gelesen hätte, dass mich das bild des geistig retardierten, der mit seinen lädierten elfenflügeln über die wiesen läuft, eine puppe auf den armen, die nächsten nächte nicht mehr loslassen würde.
ich erinnere mich nur sehr, sehr selten an meine träume und bin ganz sicher, dass ich vollkommen belanglose, unspektakuläre allerweltsträume in mir umwälze. gestern nacht habe ich aber geträumt, ich wäre so hoch in einen walnußbaum geklettert, dass mich meine eltern nicht mehr herunter holen konnten, weil es schon abend war, als sie mich entdeckten. in diesem walnußbaum hatte ich plötzlich ein kleines ferkel auf dem arm, dass über die verworrenen äste auf mich zugekrochen kam. am nächsten morgen stand ich mit dem ferkel im arm unter dem baum und ging in ein haus, das ich instinktiv als das unsrige erkannte, obwohl es keinerlei ähnlichkeit mit meinem elternhaus hatte. ich wollte das schweinchen meinen schwestern zeigen, aber es hatte sich inzwischen in eine winzige grüne maus verwandelt. die zimmer meiner schwestern waren riesig, sie gingen von einem extrem schmalen flur ab. auch wenn mir das im traum nicht auffiel, hatte ich mich irgendwie in verschiedene, extrem potenzierte anteile aufgeteilt: jede meiner schwestern war irgendwie eine einzige meiner eigenschaften - oder zumindest sahen ihre zimmer so aus, dass ich mich sehr deutlich in ihnen ablesen konnte. während ich meine schwestern weckte und sie für die ferkelmaus begeistern wollte, hörte ich auf einmal, wie mir eine riesige grellgrüne ratte nachlief, die wohl ihr junges zurückholen wollte, mich dabei ansprang und fürchterlich biss. am ende des traumes hatte ich sowohl die kleine maus als auch die ratte ruhig auf dem arm - obwohl mich die ratte unverändert in den arm biss.
krabat war das erste buch, das so etwas bei mir auslöste: ich konnte wirklich tagelang nicht schlafen. der seltsame traum, den emil während der zugfahrt nach berlin in kästners "emil und die detektive" hat, war für mich ebenso gruselig - wie unter zwang habe ich die stelle immer und immer wieder gelesen, wohl wissend, dass mich schon eine einzige seite davon nächtelang begleiten würde. hauffs "kaltes herz" hat mich beinahe verfolgt: ich bettelte zu weihnachten drei jahre lang hintereinander an allen feiertagen ins schauspiel gehen zu dürfen, hörte mir in der zwischenzeit die kassette an oder wartete darauf, dass der film im fernsehen gezeigt wurde. es machte mir furchtbare angst und ich habe manchmal vorm schlafengehen beinahe akustisch kalluziniert (" in holland gibts gold.....")
das grundlegende muster ist heute noch gleich, die beiden schlimmsten erlebnisse hatte ich mit nabokovs "gelächter im dunkel" und murakamis "mister aufziehvogel", vielleicht weil in beiden ein sehr starkes dunkelheits- und eingeschlossensein-motiv vorherrscht. ebenfalls zutiefst beeindruckt hat mich der eher banale handlungsstrang in dorian gray, in dem angedeutet wird, dass lord henry dorian mit einem buch vergiftet bzw. verwandelt. ebenso wie dorian habe ich mich extrem in huysmans "a rebours" gestürzt - besonders das kapitel über die orchideen war grauenvoll. oder der abschnitt über das hauspersonal, das mit einer bestimmten niederländischen tracht pittoresk vorm abeitszimmerfenster auf und ab gehen musste....
gestern abend nun die verdammte lily dahl: auf den letzten zeilen bemerkt sie, dass der dorf-cretin eine lebensgroße puppe von ihr gebastelt hat, die ihren körper im kinderalter darstellen soll. mit dieser puppe läuft selbiger nächtens im kostüm des spinnweb aus shakespeares sommernachtstraum durchs dorf. vom ersten moment an, als lily ihn in seiner gruseligen spielhöhle damit ertappt, war mir vollkommen klar, dass ich diesen teil des buches besser nicht gelesen hätte, dass mich das bild des geistig retardierten, der mit seinen lädierten elfenflügeln über die wiesen läuft, eine puppe auf den armen, die nächsten nächte nicht mehr loslassen würde.
ich erinnere mich nur sehr, sehr selten an meine träume und bin ganz sicher, dass ich vollkommen belanglose, unspektakuläre allerweltsträume in mir umwälze. gestern nacht habe ich aber geträumt, ich wäre so hoch in einen walnußbaum geklettert, dass mich meine eltern nicht mehr herunter holen konnten, weil es schon abend war, als sie mich entdeckten. in diesem walnußbaum hatte ich plötzlich ein kleines ferkel auf dem arm, dass über die verworrenen äste auf mich zugekrochen kam. am nächsten morgen stand ich mit dem ferkel im arm unter dem baum und ging in ein haus, das ich instinktiv als das unsrige erkannte, obwohl es keinerlei ähnlichkeit mit meinem elternhaus hatte. ich wollte das schweinchen meinen schwestern zeigen, aber es hatte sich inzwischen in eine winzige grüne maus verwandelt. die zimmer meiner schwestern waren riesig, sie gingen von einem extrem schmalen flur ab. auch wenn mir das im traum nicht auffiel, hatte ich mich irgendwie in verschiedene, extrem potenzierte anteile aufgeteilt: jede meiner schwestern war irgendwie eine einzige meiner eigenschaften - oder zumindest sahen ihre zimmer so aus, dass ich mich sehr deutlich in ihnen ablesen konnte. während ich meine schwestern weckte und sie für die ferkelmaus begeistern wollte, hörte ich auf einmal, wie mir eine riesige grellgrüne ratte nachlief, die wohl ihr junges zurückholen wollte, mich dabei ansprang und fürchterlich biss. am ende des traumes hatte ich sowohl die kleine maus als auch die ratte ruhig auf dem arm - obwohl mich die ratte unverändert in den arm biss.
Miss Manierlich - 20. Jun, 20:54
