Ferdinand und Fenditasche

ferdinand

erinnert sich noch jemand an ferdinand? an ferdinand den stier, einen herzzerreissenden disney-film, in dem es um einen zartfühlenden stier geht, der am liebsten in halbtotaler einstellung unter einem baum mit tiefhängenden ästen sitzt und an blumen riecht?

genji hat ferdinands gemüt. da, wo bei disney die stimme aus dem off resigniert flüstert: "und ferdinand? ferdinand saß einfach da und roch an den blumen", würde ich manchmal gern krächzen: "und der wichtelprinz? der wichtelprinz sitzt einfach da und denkt an sein auto. oder einen bagel.auf jeden fall zeigt er vollkommen anormale, d.h. ungerührte reaktionen"

ferdinand-gemüter machen mich komplett rasend, nichts erregt meinen unmut in kritischen situationen mehr, als jemand der mit stoischer ruhe neben mit sitzt und ferdinandisch an den blumen schnüffelt. und wann immer ich aufgeregt und ausser mir vor zorn bin, schnüffelt es neben mir gar heftig. ich bin ein extrem aufbrausendes gemüt und von extremer emotionaler auslenkbarkeit, während genji aufreizend affektflach ist. es vergeht kein gemeinsamer beruflicher termin aus dem ich köchelnd und mühsam beherrscht herauskomme, infolge dessen sich mein angestauter agsress nicht auf die barock-gutmütige blumenschnüffelseele an meiner seite entlädt. es macht mich rasend und ungleich wütender als die auslösersituation, wenn genji fröhlich gelaunt neben mir hertänzelt und nicht einmal den versuch unternimmt, aus solidarität auch ein bisschen erbost zu sein. wozu hat man denn spiegelneuronen?! na also.

um einen rasanten themenwechsel hinzulegen: das hier erregt ebenfalls meinen unmut. bisher dachte ich immer, schockierend mies gemachte türkische murakami-bags oder blenderfreund-paradiese wären die spitze des eisbergs potenzieller fake-konsumentinnen. offenkundig gehts aber immer noch ein stockwerk tiefer.

keine frage: ich hätte ebenfalls wahnsinnig gern eine muse-bag. am liebsten aus tollkirschenrotem krokoleder. womit ich mich aber in grund und boden schämen würde, wäre eines der "triple-a"-replica-modelle, die innen mit obskuren stöffchen ausgeschlagen sind und denen man ihre miese kinderstube 100 meter gegen den wind ansieht. lieber trage ich auch zukünftig zum bleistiftrock eine knallrote freitagtasche: wenn´s der salär eben nicht hergibt, dann ist das eben so. die schande, mit einer fake-tasche oder einem grausig nachgemachten d&g-top herum zu laufen, wäre mir persönlich einfach zu groß - da quäle ich mich lieber in würde und mit massenware von zara. entgegen aller anderslautenden stimmen: eine manufaktur-tasche im wert von zwei moantsgehältern sollte selbst ein blinder von einem massenproduzierten stück ramsch vom basar unterscheiden können. punkt. und angesichts der vielen schlampig gekleideten weststadtghetto-mädchen, die zu ihren trainingsanzügen und 5-euro-glitzertops eine echtheit heuchelnde gucci-tasche über der schulter hängen haben, deren wert das gesamte wohnungsinventar der familie übersteigt, überzieht scham und tiefe verachtung mein gesicht.

ich verstehe das gesamte prinzip mit diesem potemkinschen plunder nicht. wirklich. vielleicht liegts wieder an meiner kindheit unter einem portrait des alten fritz, aber ich verstehe nicht, warum man sich bei ebay eine offenkundig nachgemachte paddington-bag für 50 euro kauft. wenn es nur um die ästhetik gänge, sollten die betreffenden damen vielleicht eher hierhin abbiegen: da liegen die objekte der begierde als solider nachbau ohne das peinliche pseudo-label. wenn es tatsächlich nur um labels gehen sollte: herrgott, dann kauft euch bei h&m 20 tops und lasst im copyshop juicy couture und prada draufdrucken. das wäre konsequent und ähnlich triple-a wie ein standard-fake.

luxusbabe ist die konsequente weiterentwicklung des marktsegmentes für diejenigen leute, die sich für ein klassentreffen die kleinstmotorisierte c-klasse als coupe bei sixt ausleihen oder an ihrem schlüsselbund einen porsche-anhänger haben, der beim ersten date neben der kaffeetasse in szene gelegt wird. peinlich finde ich die dahinterliegende attitüde als schainbares mitglied der monetär-erlesenen käuferschicht identifiziert zu werden- nicht das begehren nach jimmy choo & co.

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