27
Aug
2006

Wochenend und Sonnenschein

ach, ihr sonntage im bett! untermalt mit dem wohligen rumpeln der waschmaschine, dem sprühregen des erkälteten august und einem wichtelprinz, der im schlafzimmer mit geniesserisch halbgeschlossenen augen der formel1 lauscht und sich aufs späte mittagessen freut. sonntage sind immer dann besonders verheissungsvoll, wenn man morgens nach 4 stunden schlaf den wunsch verspürt, ein wenig himbeerfarbe auf die lippen zu streichen und ein eigentlich viel zu schickes büropullöverchen zur gestreiften pyjama-hose zu tragen. der heutige sonntag begann schälchenklappernd mit genjis liebsten diabetiker-geeigneten tapas - also ohne kartoffelige tortilla, dafür mit einem zusätzlichen drittel serranoschinken für den vogelmündig gierigen wichtelmund. als ich vorhin das bett nach einem vermissten feuerzeug durchsuchte, fielen mir auch prompt drei marinierte pilze und ein olivenkern entgegen. vielleicht ist es ja wirklich so, als tränke man sein eigenes sperma, aber die pilze schnell und unauffällig in den mund zu stecken, hat sich großartig verrucht angefühlt.

aber es fühlt sich in letzter zeit einfach nur beruhigend an, dass so etwas geht. dass mit mir so etwas geht. meine derzeitige idylle schmeckt nach tapas, flüstert mit der stimme javier marias´ und duftet nur sehr entfernt nach gucci rush. und auch wenn gewisse stimmen etwas anderes munkeln: wenn es eine sache gibt, die frauen mit körpergröße jenseits der 170 cm tragen können, dann ausgewaschene jeansminiröckchen und schwarze leggins an samstagabenden, wenn die sonne hinterm rheinhafen verschwunden ist.

gestern im supermarkt, ich erfreute mich an meiner leidenschaft, dem einkaufswagen-sphinxen, sah ich mich selbst in einer dramatischer halbtotalen, wie ich ein glas diabetiker-erdbeerkompott für genji in der hand wog und nach broteinheitenangaben schielte. in diesem moment schienen mir nicht einmal painting-strähnchen abwegig - aus glucksender freude über meinen mut zur kritischen selbstbeobachtung habe ich mich nur halb so sehr geschämt, "player" und "braut" aus dem zeitschriftenregal in meinen wagen zu stopfen. ob sich die stoischen zählviecher an der kasse wohl manchmal bösartige gedanken über den inhalt meines einkaufswagens machen? gewisse blicke lassen es manchmal beinahe befürchten. ach, guckan: die junge dame mit dem klavierlehrerinnen-gesicht kocht sich sonntags pasta bolognese und versüsst sich die einsamen samstagabende mit kinderriegel, "galore" und ofengebackenen chips.

irgendwie lässt der widerliche druck, sich selbst ein aufregendes leben aufzudrängen, angenehm nach. hätte ich heute kuschelrock- oder gar bryan adams-cds, ich würde sie mit stolzgeblähter brust ganz vorn in mein regal stellen.

nichtsdestotrotz trippelte ich heute morgen um halb sieben mit dem besten freund und seinem neuesten objekt der begierde richtung parkhaus und hatte das gefühl, durch meine müden arme würde reines red bull mit kleinen segeln aus nikotin treiben. und zwar nachdem mich (verdammter csd - da kriecht zeugs aus seinen löchern, was besser nie das tageslicht sehen sollte) ein kleiner junge im fummel nebst mies gemachtem chanel-cambon-täschchen zwanzig minuten mit seinen plastiknägeln an rücken und oberarm meinte beschmusen zu müssen. gegenüber manchem, das verhalten meiner persönlichen schmerzgrenze eindeutig überschreitendem verhalten, bin ich extrem gehemmt. ich schnauze gern im zug krawallierende kinderbanden an oder gehe fauchend auf leute los, die im supermarkt miese bemerkungen über genjis gewicht oder unseren altersunterschied äussern. trotzdem habe ich mehrere minuten stumm ein verhalten erduldet, das mich extrem anwiderte und für das eigentlich minimum eine ohrfeige fällig gewesen wäre. vielleicht fehlte mir der bezug zu einem geschmacklichen oder moralischen thema, irgendein inhaltliches eis, auf dem ich mich sicher genug gefühlt hätte, um entgegnen und reagieren zu können. so habe ich mich noch während der gesamten heimfahrt furchtbar geärgert, weil ich zu gehemmt war, diese peinlichkeit schleunigst aufzulösen oder zu beenden.

noch ein winziges wort ein eigener sache: das googeln nach weiteren blogromanen liefert nur die üblichen verdächtigen oder seit wochen verwaiste projekte - wer einen potenziellen kandidaten erspäht, würde mich zuhöchst vergnüglich stimmen, wenn er mir den link zukommen liesse. und weil es einen gewissen verklemmten juristen so geärgert hat: gern auch als anonymer hinweis.
Kaweechelchen - 27. Aug, 22:31

Liebe Miss Manierlich!

Menschen, die flüsternd oder gar laut tratschend an einem im Supermarkt oder anderswo vorbeiziehen, sind echt nicht mehr zu retten.
Da werde ich ab und an wirklich sehr aggressiv, aber man will sich ja nicht öffentlich prügeln ;)
Kürzlich erst, war ich mit einer Bekannten in der Stadt (Kleinstadt), sie selbst hat einen wirklich sehr extravaganten, interessanten kleidungsstil. In besagter Stadt gibt es nun eine Art von Einheitslook/-trott und soimit viel sie,-wie ich fand positiv, auf.
Nun geschah es also mehrfach, dass sich Menschen darüber äußerten und zwar dermaßen laut, dass es unüberhörbar war.
Das ist einfach pietätlos, verkorkst und dumm.
Nun denn, Idioten gibt es immer und überall.
Was mich jetzt noch verblüfft sind die drei marinierten Pilze im Bett *g*.
So etwas ist mir ja noch nie passiert. Wo hatten die sich denn versteckt?

liebe grüße,

Kaweechelchen

Miss Manierlich - 29. Aug, 17:36

liebes kaweechelchen,

schwierig wird es ja immer angesichts der entscheidung, ob man lautstark dazwischen oder lieber weiter gehen soll. meist entscheide ich mich komplett falsch und ärgere mich dann mehrere hundert meter über falsche oder zu leise antworten. und so ein winziger marinierter pilz rutscht schonmal zwischen die laken - du willst mir nicht wirklich sagen, du hättest noch nie nach dem essen im bett nahrung gefunden? (was übrigens nichts mit -hui hui - wahnsinnig aufreibenden bettaktivitäten zu tun hat, sondern meist ganz banal mit motorischen oder stabilitätsproblemen beim essen.) auch wenn das einen wirklich falschen eindruck in meine hygienischen verhältnisse gibt: ich habe im urlaub in einem motel schonmal das bett mit dreieinhalb chicken wings geteilt. und weil wir gerade bei ungoustiösen urlaubserinnerungen sind: genji hat mir mal am letzten urlaubstag beim packen einen obskuren schlüpfer (der diesen demütigenden ausdruck wahrlich verdiente) zugeworfen, weil er dachte es sei der meinige. nach einigem gezänk stellte sich heraus, dass er das ding offenkundig aus einer nicht vollständig geleerten schublade im ankunftshotel mitgenommen hatte. da hätte ich ja lieber eine handvoll pilze genommen...

miss manierlich
Rociel - 29. Aug, 01:30

Wenn ich mir damals nicht so verdammt sicher gewesen wäre, dass das Teil zu gegebener Zeit seine Blogsbeere abkriegen würde, dann hätte ich auf jeden Fall nominiert: das Fritzbuch! Doch Moment mal, is das nicht...?? Uhh, is ja langweilig. - Und das andere, das mir in dem Kontext unweigerlich in den Sinn kommt, fällt wirklich unter die Kategorie "übliche Verdächtige" (obwohl es ja nicht unamüsant wäre, wie jemand mit erhitztem Gemütchen durch Kleinbloggersdorf rennt und sich an jeder Haustür einen abgackert, was "die böse Miss da wieder geschrieben hat"). Ansonsten fällt mir dazu leider nichts mehr ein, doch ich bin mir sicher, good old blog.de spuckt als Urmutter des Empörenden über kurz oder lang wieder irgendwas Feines aus.

Schönen Gruß

Miss Manierlich - 29. Aug, 17:38

lieber rociel,

das fritzbuch wird zu gegebener zeit noch drankommen. insbesondere jetzt, wo nach der "sommerpause" wieder die feder gewetzt wird. und was die üblichen verdächtigen angeht: natürlich fiel mir auch zuerst fraumtraus baccara-klon ein. warum sollte man die wahren perlen fiktiver autobiographien aussen vor lassen?

liebe grüße,
miss
anonynus (anonym) - 29. Aug, 08:21

Mal nach "Das Farnese Komplott" googeln.

Miss Manierlich - 29. Aug, 17:39

großartig - vielen dank dafür! du willst nicht zufällig mein anonymer talent-scout werden? dem komplott widme ich mich gleich heute abend.

erfreute grüße,
miss manierlich
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