Schluss mit den Legenden: Weniger ist Weniger
ich habe eine schwäche für lange texte. ich mag, wenn jemand sich die mühe macht, einen gedanken nicht wie ein ferkel die schlachtrampe hinunter zu treiben, sondern das muskelfleisch vor dem exodus liebevoll massiert, streichelnd aufbereitet und erst dann seinen besuchern als filet präsentiert.
dass nabokov der großartigste und von mir meistverehrte autor ist, liegt auch an seinem unfassbar liebevollen, beinahe erotisch aufgeladenen verhältnis zu texten. er entblättert, schiebt bedächtig strumpfbändchen beiseite, obduziert und ertastet. lesen und schreiben sind faktisch zwillinge: sie fordern die gleichen intellektuellen regionen und verlangen präzision, sorgfalt und verständnis für erzähltes und erzählbares. in der "kunst des lesens" heisst es eingangs: "wer liest, sollte dies liebevoll und unter zärtlicher berücksichtigung der einzelheiten tun. gegen den mondschein der verallgemeinerung ist nichts einzuwendn, er zeigt sich ohnehin, nachdem" die sonnigen kleinigkeiten liebevoll zusammengetragen wurden". nagelt euch das in ungelenken lettern über´s bett oder euren bildschirm. es ist grob unhöflich, einem text wie einem vorstadtflittchen lediglich auf den arsch zu schauen. (und ebenso unangemessen, einen text zu schreiben, der (achtung, metapher!) nur aus arsch besteht)
ich habe tiefen respekt vor denjenigen, die mit wenigen silben eine situation und eine stimmung schaffen können, die einen tag oder eine begebenheit auf ein, zwei sätze reduzieren können wie eine sämige farce von waldpilzen. winzige bissen, kolibrifeine tröpfchen, auf einen blick fassbar. auf der anderen seite joseph und seine brüder. meine präferenzskala kennt nur diese zwei pole und ist beileibe kein kontinuum.
ich mag keine kurzgeschichten. nicht einmal dann, wenn sie von autoren sind, von denen ich selbst den launigsten aphorismus oder das schwächste interview verzückt und glücksglucksend goutiere. ich lese aus prinzip keine kurzgeschichten. punkt.
kurzgeschichte. wie das schon klingt. so, als ob es kurze geschichten und flüchtiges gäbe. ich lese keine belletristischen texte, die kürzer als 150 seiten sind. ich lasse mich gern bäuchlings auf einem gemächlich dahinschaukelnden erzähldiwan sinken, schleiche mich gern sacht an protagonisten an und liebe quälend-bösartig, langsam entwickelte konflikte und szenerien.
kurzgeschichten sind wie diese widerlichen kleinen fingerfood-dingse in pausenzeiten. leere verbalkalorien auf prätentiös daherstolzierender pappspitzendeckchen, die flecke von der farbe erbrochenens auf der bluse und einen schlechten geschmack im mund hinterlassen. fingerfood macht nicht satt. zwei dutzend frittierte hühnerbeinchen und ein halbes kilo kirschtomaten hinterlassen spröde leere - wo doch ein einziger teller suppenhuhnbrühe ausfüllend sein konnte. das problem beim fingerfood ist das gleiche wie mit kurzen texten: ihre kürze ist lediglich das oberflächliche problem.
vielleicht liegt es am alten missverhältnis zwischen erzählzeit und erzählter zeit, dass sich erst dann wieder ästhetisch verflüchtigt, wenn die narrativen gliedmaßen bizarr verlängert oder verkürzt werden. die gesamte bibel in sechs sätzen oder ein augenaufschlag von der papiernen dicke eines tolstoi-romans: das geht. alles andere nicht. die ausdehnung (ich sage bewusst nicht: die länge) eines textes ist vermutlich ebenso ausschlaggebend für empfundene qualität wie seine sprache.
solange ich diese balance nicht beherrsche, erwähne ich lieber ein detail, eine augenfarbe, einen hallenden schritt und eine brosche mit ausgestochener perle mehr, als eines zu wenig. meist ist es der sache radikal abträglich, inhaltliche dichte durch kürze und staccato-schilderungen vom charme eines polizeiprotokolls erreichen zu wollen. sowas funktioniert nur äusserst selten.
ich hasse unpräzise beschreibungen - wenn ein detail schon erwähnt wird, dann bitte richtig. ich nehme mir gern die zeit, mit dem verfasser eines textes auf expeditionen, den kunstvollen auslassungen eines spitzendeckchens folgend, zu gehen. ich freue mich an aufmerksamen fremdschilderungen, erzählt mir doch bitte in epischer breite, schwelgt in einzelheiten, nebenbetrachtungen und überraschenden entdeckungen. mich interessiert ein aufmerksamer blick mehr als eine simple pointe. pointen funktionieren sowieso so gut wie nie. das kennt man ja schon aus der guten, alten abizeitschrift, bei deren lektüre man auch immer grüppchenweise schulterzuckend verlauten hörte: mussmannwohldabeigewesensein. wenn ich aber schon nicht dabei war, als das zwergkaninchen diese wahnsinnig witzige sache mit seiner nase angestellt hat oder in der marmelade schimmel schwamm oder einem schrank beim transport ein bein abbrach, dann bitte: kleidet den schwachen inhalt doch wenigstens verbal opulent! wer kein guter scherzeverbreiter ist, kann ja vielleicht trotzdem ein passabler dokumentar seines umfeldes sein.
ich liebe effi briest. wirklich. wenn rollo sich auf den letzten seiten des buches kummervoll unter der verwaisten sonnenuhr zusammenrollt, schlucke ich jedes mal schwer. und das liegt sicherlich nicht am tiefsinn der geschichte - mir wird ganz schlecht, wenn ich mir vorstelle, wie die meisten blogs effis geschichte erzählen würden: lässig auf 25 zeilen eingedampft. passiert ja auch nicht wirklich viel auf hunderten von seiten. und genau das ist das problem: in einem text muss nichts passieren, müssen sich die ereignisse und schlüpfrigen scherzchen nicht überschlagen. wer gähnend beginnt hastiger zu blättern, wenn fontane kirchmäuerchen, schaukel und rondell beschreibt, hat schlichtweg nicht verstanden, wie texte und leser funktionieren. pointen und tooo-tal lustige begebenheiten sind wie special effects: in zehn jahren lacht man drüber, weil ja heute sowas von viel mehr geht. geschichten und texte, die wie shyamalan-filme funktionieren sind seelenloser dreck. blogeinträge, in denen lausige you-tube-links oder schauderhaft unkomische zeitungsausschnitte oder animationen verbraten werden, lassen mich schaudern. gebt euch doch wenigstens die mühe zu erklären, warum es gerade heute so wichtig war, das pudelballett oder den typ, der sich eine pestbeule ausdrückt zu posten. wenn dieser grund eine seele hat und etwas anderes widerspiegelt als zeltbplatzartiges gröhlendes lachen, kann man den videolink sogar weglassen. wirklich! mich interessiert jede gesichtsinspektion, bei der der badezimmerspiegel ein winziges pickelchen offenbart mehr, als eine explodierende eiterbeule, unterlegt mit flotten klängen von blink182.
soviel zur per kommentar hinterlassenen blödsinnsmeinung wider dem langen, ausschweifenden text. nabokov am ende kommt immer gut, darum: "stil und aufbau machen das wesen eines buches aus: große ideen sind dummes zeug." in diesem sinne rolle ich mich jetzt auf dem sofa zusammen und fahre mit remarque im offenen wagen nach brescia.
dass nabokov der großartigste und von mir meistverehrte autor ist, liegt auch an seinem unfassbar liebevollen, beinahe erotisch aufgeladenen verhältnis zu texten. er entblättert, schiebt bedächtig strumpfbändchen beiseite, obduziert und ertastet. lesen und schreiben sind faktisch zwillinge: sie fordern die gleichen intellektuellen regionen und verlangen präzision, sorgfalt und verständnis für erzähltes und erzählbares. in der "kunst des lesens" heisst es eingangs: "wer liest, sollte dies liebevoll und unter zärtlicher berücksichtigung der einzelheiten tun. gegen den mondschein der verallgemeinerung ist nichts einzuwendn, er zeigt sich ohnehin, nachdem" die sonnigen kleinigkeiten liebevoll zusammengetragen wurden". nagelt euch das in ungelenken lettern über´s bett oder euren bildschirm. es ist grob unhöflich, einem text wie einem vorstadtflittchen lediglich auf den arsch zu schauen. (und ebenso unangemessen, einen text zu schreiben, der (achtung, metapher!) nur aus arsch besteht)
ich habe tiefen respekt vor denjenigen, die mit wenigen silben eine situation und eine stimmung schaffen können, die einen tag oder eine begebenheit auf ein, zwei sätze reduzieren können wie eine sämige farce von waldpilzen. winzige bissen, kolibrifeine tröpfchen, auf einen blick fassbar. auf der anderen seite joseph und seine brüder. meine präferenzskala kennt nur diese zwei pole und ist beileibe kein kontinuum.
ich mag keine kurzgeschichten. nicht einmal dann, wenn sie von autoren sind, von denen ich selbst den launigsten aphorismus oder das schwächste interview verzückt und glücksglucksend goutiere. ich lese aus prinzip keine kurzgeschichten. punkt.
kurzgeschichte. wie das schon klingt. so, als ob es kurze geschichten und flüchtiges gäbe. ich lese keine belletristischen texte, die kürzer als 150 seiten sind. ich lasse mich gern bäuchlings auf einem gemächlich dahinschaukelnden erzähldiwan sinken, schleiche mich gern sacht an protagonisten an und liebe quälend-bösartig, langsam entwickelte konflikte und szenerien.
kurzgeschichten sind wie diese widerlichen kleinen fingerfood-dingse in pausenzeiten. leere verbalkalorien auf prätentiös daherstolzierender pappspitzendeckchen, die flecke von der farbe erbrochenens auf der bluse und einen schlechten geschmack im mund hinterlassen. fingerfood macht nicht satt. zwei dutzend frittierte hühnerbeinchen und ein halbes kilo kirschtomaten hinterlassen spröde leere - wo doch ein einziger teller suppenhuhnbrühe ausfüllend sein konnte. das problem beim fingerfood ist das gleiche wie mit kurzen texten: ihre kürze ist lediglich das oberflächliche problem.
vielleicht liegt es am alten missverhältnis zwischen erzählzeit und erzählter zeit, dass sich erst dann wieder ästhetisch verflüchtigt, wenn die narrativen gliedmaßen bizarr verlängert oder verkürzt werden. die gesamte bibel in sechs sätzen oder ein augenaufschlag von der papiernen dicke eines tolstoi-romans: das geht. alles andere nicht. die ausdehnung (ich sage bewusst nicht: die länge) eines textes ist vermutlich ebenso ausschlaggebend für empfundene qualität wie seine sprache.
solange ich diese balance nicht beherrsche, erwähne ich lieber ein detail, eine augenfarbe, einen hallenden schritt und eine brosche mit ausgestochener perle mehr, als eines zu wenig. meist ist es der sache radikal abträglich, inhaltliche dichte durch kürze und staccato-schilderungen vom charme eines polizeiprotokolls erreichen zu wollen. sowas funktioniert nur äusserst selten.
ich hasse unpräzise beschreibungen - wenn ein detail schon erwähnt wird, dann bitte richtig. ich nehme mir gern die zeit, mit dem verfasser eines textes auf expeditionen, den kunstvollen auslassungen eines spitzendeckchens folgend, zu gehen. ich freue mich an aufmerksamen fremdschilderungen, erzählt mir doch bitte in epischer breite, schwelgt in einzelheiten, nebenbetrachtungen und überraschenden entdeckungen. mich interessiert ein aufmerksamer blick mehr als eine simple pointe. pointen funktionieren sowieso so gut wie nie. das kennt man ja schon aus der guten, alten abizeitschrift, bei deren lektüre man auch immer grüppchenweise schulterzuckend verlauten hörte: mussmannwohldabeigewesensein. wenn ich aber schon nicht dabei war, als das zwergkaninchen diese wahnsinnig witzige sache mit seiner nase angestellt hat oder in der marmelade schimmel schwamm oder einem schrank beim transport ein bein abbrach, dann bitte: kleidet den schwachen inhalt doch wenigstens verbal opulent! wer kein guter scherzeverbreiter ist, kann ja vielleicht trotzdem ein passabler dokumentar seines umfeldes sein.
ich liebe effi briest. wirklich. wenn rollo sich auf den letzten seiten des buches kummervoll unter der verwaisten sonnenuhr zusammenrollt, schlucke ich jedes mal schwer. und das liegt sicherlich nicht am tiefsinn der geschichte - mir wird ganz schlecht, wenn ich mir vorstelle, wie die meisten blogs effis geschichte erzählen würden: lässig auf 25 zeilen eingedampft. passiert ja auch nicht wirklich viel auf hunderten von seiten. und genau das ist das problem: in einem text muss nichts passieren, müssen sich die ereignisse und schlüpfrigen scherzchen nicht überschlagen. wer gähnend beginnt hastiger zu blättern, wenn fontane kirchmäuerchen, schaukel und rondell beschreibt, hat schlichtweg nicht verstanden, wie texte und leser funktionieren. pointen und tooo-tal lustige begebenheiten sind wie special effects: in zehn jahren lacht man drüber, weil ja heute sowas von viel mehr geht. geschichten und texte, die wie shyamalan-filme funktionieren sind seelenloser dreck. blogeinträge, in denen lausige you-tube-links oder schauderhaft unkomische zeitungsausschnitte oder animationen verbraten werden, lassen mich schaudern. gebt euch doch wenigstens die mühe zu erklären, warum es gerade heute so wichtig war, das pudelballett oder den typ, der sich eine pestbeule ausdrückt zu posten. wenn dieser grund eine seele hat und etwas anderes widerspiegelt als zeltbplatzartiges gröhlendes lachen, kann man den videolink sogar weglassen. wirklich! mich interessiert jede gesichtsinspektion, bei der der badezimmerspiegel ein winziges pickelchen offenbart mehr, als eine explodierende eiterbeule, unterlegt mit flotten klängen von blink182.
soviel zur per kommentar hinterlassenen blödsinnsmeinung wider dem langen, ausschweifenden text. nabokov am ende kommt immer gut, darum: "stil und aufbau machen das wesen eines buches aus: große ideen sind dummes zeug." in diesem sinne rolle ich mich jetzt auf dem sofa zusammen und fahre mit remarque im offenen wagen nach brescia.
Miss Manierlich - 12. Nov, 20:08
loreley (anonym) - 13. Nov, 08:56
Warum so streng mit Blogs? Sind doch nicht als hohe Literatur gedacht. Ich mag keine langen Texte online lesen.
Katherine Mansfield könnte vielleicht die schlechte Meinung über Kurzgeschichten ändern.
http://de.wikipedia.org/wiki/Katherine_Mansfield
Katherine Mansfield könnte vielleicht die schlechte Meinung über Kurzgeschichten ändern.
http://de.wikipedia.org/wiki/Katherine_Mansfield
Miss Manierlich - 13. Nov, 11:36
liebe loreley,
nein, natürlich sind blogs nicht als hohe literatur "gedacht". wenn sich durch die vielen nabokov-einlassungen der eindruck verdichtete, ich würde diesen standpunkt vertreten, dann habe ich mich falsch ausgedrückt.
ich für meinen teil habe blogs trotzdem für mich persönlich nie als, äh, sagen wir: demokratisches element, verstanden, sondern als transportmittel für (um erstmal ganz allgemein zu bleiben) texte. ich lese sehr gern blogs, die sicherlich für sich nicht den anspruch haben, eine geschichte mit mitteln der autobiographischen belletristik zu erzählen - am liebsten sind mir trotzdem diejenigen verfasser, die sich die mühe machen, wirklich etwas zu erzählen. die einer kleinen alltagsbeobachtung einen dramatischen aufbau geben und somit den schritt vom tagebuchtextchen hin zu etwas anderem schaffen. an diejenigen, die den anspruch haben, ihren blog zu etwas anderem als einer gedankensammelstelle zu machen, richtet sich mein eintrag. fass´ ihn doch einfach als ein plädoyer für den (gern auch mal etwas längeren) text im internet auf, als eine ermunterung, sich nicht dem zwang des kurzen, bündigen und telegrammstilhaften schreibens zu unterwerfen.
und katherine mansfiel (die bisher zu den autoren zählte, um die ich mich etwas herum gedrückt habe) wandert in meinen nächsten buchkorb, man soll ja nie aufhören, an das retardierende moment zu glauben.
grüße,
miss manierlich
nein, natürlich sind blogs nicht als hohe literatur "gedacht". wenn sich durch die vielen nabokov-einlassungen der eindruck verdichtete, ich würde diesen standpunkt vertreten, dann habe ich mich falsch ausgedrückt.
ich für meinen teil habe blogs trotzdem für mich persönlich nie als, äh, sagen wir: demokratisches element, verstanden, sondern als transportmittel für (um erstmal ganz allgemein zu bleiben) texte. ich lese sehr gern blogs, die sicherlich für sich nicht den anspruch haben, eine geschichte mit mitteln der autobiographischen belletristik zu erzählen - am liebsten sind mir trotzdem diejenigen verfasser, die sich die mühe machen, wirklich etwas zu erzählen. die einer kleinen alltagsbeobachtung einen dramatischen aufbau geben und somit den schritt vom tagebuchtextchen hin zu etwas anderem schaffen. an diejenigen, die den anspruch haben, ihren blog zu etwas anderem als einer gedankensammelstelle zu machen, richtet sich mein eintrag. fass´ ihn doch einfach als ein plädoyer für den (gern auch mal etwas längeren) text im internet auf, als eine ermunterung, sich nicht dem zwang des kurzen, bündigen und telegrammstilhaften schreibens zu unterwerfen.
und katherine mansfiel (die bisher zu den autoren zählte, um die ich mich etwas herum gedrückt habe) wandert in meinen nächsten buchkorb, man soll ja nie aufhören, an das retardierende moment zu glauben.
grüße,
miss manierlich
SchwaKa - 13. Nov, 11:45
Der Begriff Blog an sich ist erstmal vollkommen wertfrei zu sehen. Letztendlich besagt er nichts weiter, als dass man - mittels eines Content Management Systems - Inhalte in umgekehrter chronologischer Reihenfolge veröffentlicht. Mehr nicht. Über die Zusammensetzung, die Einordnung der Inhalte, wird dabei gar keine Aussage getroffen.
Miss Manierlich - 13. Nov, 12:09
liebe kytton,
sicher ist der begriff blog zunächst erstmal wertfrei. aber auch wenn das jetzt ein ganz ein übler allgemeinplatz wird: man belegt diesen begriff ja im laufe der zeit doch irgendwie mit etwas anderem, als dem reinen cms. und obwohl mein beitrag natürlich etwas mit der art und weise, in der ich mein blog verstehe zu tun hat, ging es doch weniger um blogs, als vielmehr um die texte, die darin ausgespeichert werden.
viel erfolg beim diplomen!
miss manierlich
sicher ist der begriff blog zunächst erstmal wertfrei. aber auch wenn das jetzt ein ganz ein übler allgemeinplatz wird: man belegt diesen begriff ja im laufe der zeit doch irgendwie mit etwas anderem, als dem reinen cms. und obwohl mein beitrag natürlich etwas mit der art und weise, in der ich mein blog verstehe zu tun hat, ging es doch weniger um blogs, als vielmehr um die texte, die darin ausgespeichert werden.
viel erfolg beim diplomen!
miss manierlich
SchwaKa - 14. Nov, 11:05
Ich bezog mich auch eher auf Loreley.
Es ist mir tiefst zuwider, wenn man mit solchen Aussagen a'la "dafür ist's ja auch nicht gedacht", die Möglichkeiten eines Mediums, einer Technologie, kleinredet. Was jeder mit seinem Stückchen Internet macht, ist ihm überlassen und nur durch seine eigenen Fähigkeiten begrenzt. Gern lese ich Texte solcher, die es schaffen, mich mit längeren Texten an den Bildschirm zu fesseln, auch wenn ich eigentlich nicht gern so lese, weil es anstrengt, die Augen nach 8 Stunden vor dem Rechner sowieso schon nicht mehr so wollen, und mir das Gefühl, der Geruch, die Heimeligkeit von Papier viel wert ist. Ich bewundere das Talent mit dem diese Menschen ihre Texte so stricken, dass sie trotz des widrigen Mediums noch die Gier wecken, das Verlangen, sie unbedingt lesen zu müssen. Und ich halte es für eine Unsitte, lange Texte nicht zu lesen oder nur zu überfliegen, weil man den Aufwand für zu hoch hält, stattdessen lieber Gedankenbröckchen möchte, Krümelchen aus dem großen Kuchen, den man konstruieren könnte und sich danach genüßlich einverleibt.
Leider dauert das mit dem Diplom noch etwas. Dazu im Laufe der Woche hoffentlich mehr. An anderer Stelle.
Kuss und Gruß
K.
Es ist mir tiefst zuwider, wenn man mit solchen Aussagen a'la "dafür ist's ja auch nicht gedacht", die Möglichkeiten eines Mediums, einer Technologie, kleinredet. Was jeder mit seinem Stückchen Internet macht, ist ihm überlassen und nur durch seine eigenen Fähigkeiten begrenzt. Gern lese ich Texte solcher, die es schaffen, mich mit längeren Texten an den Bildschirm zu fesseln, auch wenn ich eigentlich nicht gern so lese, weil es anstrengt, die Augen nach 8 Stunden vor dem Rechner sowieso schon nicht mehr so wollen, und mir das Gefühl, der Geruch, die Heimeligkeit von Papier viel wert ist. Ich bewundere das Talent mit dem diese Menschen ihre Texte so stricken, dass sie trotz des widrigen Mediums noch die Gier wecken, das Verlangen, sie unbedingt lesen zu müssen. Und ich halte es für eine Unsitte, lange Texte nicht zu lesen oder nur zu überfliegen, weil man den Aufwand für zu hoch hält, stattdessen lieber Gedankenbröckchen möchte, Krümelchen aus dem großen Kuchen, den man konstruieren könnte und sich danach genüßlich einverleibt.
Leider dauert das mit dem Diplom noch etwas. Dazu im Laufe der Woche hoffentlich mehr. An anderer Stelle.
Kuss und Gruß
K.
Nilla - 13. Nov, 11:55
ich habs kapiert.^^
sportsfreund (anonym) - 13. Nov, 12:38
mei, wer's mag. ich für meinen teil hab's gern so kurz wie irgendwie möglich. dieses rumgelese geht mir ansich total auf die nerven.
musik ist da mehr mein medium für's lange. zu musikalischen werken könnte ich jedes deiner obigen statements unterschreiben.
musik ist da mehr mein medium für's lange. zu musikalischen werken könnte ich jedes deiner obigen statements unterschreiben.
loreley (anonym) - 13. Nov, 17:15
Nabokov gehört auch zu meinen Lieblingen und die besseren Blogs sind für mich auch die, die sich Mühe geben etwas zu erzählen. Mir selbst fehlt da der Ehrgeiz.
Letztendlich ist es egal, ob eine Geschichte kurz oder lang ist, sie muss einen packen. Wenn das nicht sofort passiert, lese ich nicht weiter, egal ob kurz oder lang.
Letztendlich ist es egal, ob eine Geschichte kurz oder lang ist, sie muss einen packen. Wenn das nicht sofort passiert, lese ich nicht weiter, egal ob kurz oder lang.
loreley (anonym) - 13. Nov, 17:18
Roald Dahl ist auch noch ein hervorragender Kurzgeschichtenschreiber gewesen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Roald_Dahl
Tatsächlich gibt es nicht sehr viele, die diese schwere Kunst beherrschen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Roald_Dahl
Tatsächlich gibt es nicht sehr viele, die diese schwere Kunst beherrschen.
Frayza (anonym) - 13. Nov, 22:28
Weniger ist manchmal doch mehr
Liebe Miss Manierlich,
hier kann ich Deine Ansichten nur begrenzt teilen. In Hinsicht literarischer Texte stimme ich mit einem meiner Vorredner überein. Solange sie es schaffen mich in ihren Bann zu ziehen und dort auch halten, können sie elendig lang oder so kurz sein wie sie wollen.
Jetzt bin ich in der Literatur nicht so bewandert, deshalb muss Tolkiens "Herr der Ringe" mal herhalten.
Für dieses Buch habe ich mehr als fünf Anläufe gebraucht, weil ich ständig über diese für mich qualvollen Passagen der Landschaftsbeschreibungen etc. (die meines Erachtens wirklich kürzer hätten ausfallen können) gestrauchelt bin. Es hat mich regelrecht aus meinem Lesefluss gerissen. Weniger wäre mir dort lieber gewesen.
Ich mag das Buch wirklich gerne, aber das Wissen um diese Passagen schreckt mich immer wieder ab es ein weiteres Mal zu lesen.
Bei Blogs gilt ähnliches, der Text muss mich ansprechen. Ich kann weder mit zu kurz geratenen noch ins unendliche gedehnte Beiträgen etwas anfangen, wenn sich für mich darin nicht irgend etwas Sinnvolles erschließt.
Manche Deiner längeren Beiträge zu bestimmten Themen sind für mich aus anderem Grund manchmal hart an der Grenze. Sie haben Inhalt keine Frage, jedoch die Sätze lenken zumindest mich von selbigem ab. Mir persönlich fällt es schwer ihnen auf Grund der, ich nenns mal ausufernden Sprachakrobatik und Deiner Liebe zu verschnörkelten Satzbauten und Metaphern, zu folgen.
Um es auch mal Metaphorisch zu sagen. Ein Text ist für mich eine Landschaft und die Sätze sind das Seil, das ich halte und das mich wie ein kleines Kind sicher durch diese führt. Jedoch bei manchen Deinen Texte, wo die Landschaft schon schweres Gelände ist, fehlt mir persönlich dieses sichere Seil, es sieht zwar schön aus aber es hilft mir nicht.
Manchmal wünschte ich mir Texte wie obiger wären von Dir in einer mehr sachlich, neutraleren Ausdrucksweise gefast und weniger poetisch geschmückt. Nichts desto trotz lese ich mich gerne durch sie durch.
Ich hoffe ich hab mich einigermaßen klar und deutlich ausgedrückt, das ist unter anderem mein Problem. Das, wie auch fehlende Sprachgewandheit und uninteressantes Erzählen.
Liebe Grüße
Frayza
hier kann ich Deine Ansichten nur begrenzt teilen. In Hinsicht literarischer Texte stimme ich mit einem meiner Vorredner überein. Solange sie es schaffen mich in ihren Bann zu ziehen und dort auch halten, können sie elendig lang oder so kurz sein wie sie wollen.
Jetzt bin ich in der Literatur nicht so bewandert, deshalb muss Tolkiens "Herr der Ringe" mal herhalten.
Für dieses Buch habe ich mehr als fünf Anläufe gebraucht, weil ich ständig über diese für mich qualvollen Passagen der Landschaftsbeschreibungen etc. (die meines Erachtens wirklich kürzer hätten ausfallen können) gestrauchelt bin. Es hat mich regelrecht aus meinem Lesefluss gerissen. Weniger wäre mir dort lieber gewesen.
Ich mag das Buch wirklich gerne, aber das Wissen um diese Passagen schreckt mich immer wieder ab es ein weiteres Mal zu lesen.
Bei Blogs gilt ähnliches, der Text muss mich ansprechen. Ich kann weder mit zu kurz geratenen noch ins unendliche gedehnte Beiträgen etwas anfangen, wenn sich für mich darin nicht irgend etwas Sinnvolles erschließt.
Manche Deiner längeren Beiträge zu bestimmten Themen sind für mich aus anderem Grund manchmal hart an der Grenze. Sie haben Inhalt keine Frage, jedoch die Sätze lenken zumindest mich von selbigem ab. Mir persönlich fällt es schwer ihnen auf Grund der, ich nenns mal ausufernden Sprachakrobatik und Deiner Liebe zu verschnörkelten Satzbauten und Metaphern, zu folgen.
Um es auch mal Metaphorisch zu sagen. Ein Text ist für mich eine Landschaft und die Sätze sind das Seil, das ich halte und das mich wie ein kleines Kind sicher durch diese führt. Jedoch bei manchen Deinen Texte, wo die Landschaft schon schweres Gelände ist, fehlt mir persönlich dieses sichere Seil, es sieht zwar schön aus aber es hilft mir nicht.
Manchmal wünschte ich mir Texte wie obiger wären von Dir in einer mehr sachlich, neutraleren Ausdrucksweise gefast und weniger poetisch geschmückt. Nichts desto trotz lese ich mich gerne durch sie durch.
Ich hoffe ich hab mich einigermaßen klar und deutlich ausgedrückt, das ist unter anderem mein Problem. Das, wie auch fehlende Sprachgewandheit und uninteressantes Erzählen.
Liebe Grüße
Frayza
Miss Manierlich - 13. Nov, 23:59
liebe frayza,
es sollte natürlich keineswegs der eindruck entstehen, ich würde jedes längere buch mögen - die ausdehnung eines textes ist für mich sicherlich nicht mehr als die bedingung der möglichkeit. kurze texte beginne ich aus angst, mein leseherz nach 15 seiten an eine figur zu hängen, die 3 seiten später schon wieder verschwindet, nur meist gar nicht erst.
was das schwere manierliche gelände angeht, hast du natürlich vollkommen recht: die fähigkeit, einen sachverhalt präzise und bündig zu schildern, geht mir tatsächlich vollständig ab. so schwatzhaft und metapherngespickt das alles manchmal daher kommen mag: ich umkreise das wild eben lieber ein paar runden mehr und schiesse ein paarmal vogelbeeren anstelle von geweihen, als das kaninchen anstelle des bockes zu schultern.
am "herr der ringe" haben mich ja am meisten die furchtbaren gesänge und reimlichkeiten gestört - sowas irritiert und verärgert mich viel mehr, als die ausschweifende schilderung einer graslandschaft oder eines verzierten dolches. zur schlechten hilfe, die dir ein schönes aber nutzloses seil in unwegsamem textgelände ist, würde ich gern noch etwas sagen, aber in mir kreiselt gerade noch alles und ich habe das bild noch nicht ganz zurückgedacht. verflixte metaphern!
bestes,
miss manierlich
es sollte natürlich keineswegs der eindruck entstehen, ich würde jedes längere buch mögen - die ausdehnung eines textes ist für mich sicherlich nicht mehr als die bedingung der möglichkeit. kurze texte beginne ich aus angst, mein leseherz nach 15 seiten an eine figur zu hängen, die 3 seiten später schon wieder verschwindet, nur meist gar nicht erst.
was das schwere manierliche gelände angeht, hast du natürlich vollkommen recht: die fähigkeit, einen sachverhalt präzise und bündig zu schildern, geht mir tatsächlich vollständig ab. so schwatzhaft und metapherngespickt das alles manchmal daher kommen mag: ich umkreise das wild eben lieber ein paar runden mehr und schiesse ein paarmal vogelbeeren anstelle von geweihen, als das kaninchen anstelle des bockes zu schultern.
am "herr der ringe" haben mich ja am meisten die furchtbaren gesänge und reimlichkeiten gestört - sowas irritiert und verärgert mich viel mehr, als die ausschweifende schilderung einer graslandschaft oder eines verzierten dolches. zur schlechten hilfe, die dir ein schönes aber nutzloses seil in unwegsamem textgelände ist, würde ich gern noch etwas sagen, aber in mir kreiselt gerade noch alles und ich habe das bild noch nicht ganz zurückgedacht. verflixte metaphern!
bestes,
miss manierlich
Frayza (anonym) - 14. Nov, 21:25
Liebe Miss Manierlich,
ach ja die Gesänge, bei denen hatte man aber den Vorteil, das man das Ende sofort im Blick hatte.
Die Metaphern in Deinen Texten machen zum Teil ja auch den Reiz aus, die über Deine "Jagdgepflogenheiten" finde ich zum Beispiel sehr gut beschrieben, ebenso auch die oft wohlformulierten Sätze. Nur ich für mich selbst stelle fest, daß ich bei einem Übermaß, Gedanklich nicht mehr bei der Sache bin und plötzlich mit dem Satzbau und dem verstehen der Metapher aber kaum noch mit dem Inhalt des Textes selbst beschäftigt bin.
Liebe Grüße
Frayza
ach ja die Gesänge, bei denen hatte man aber den Vorteil, das man das Ende sofort im Blick hatte.
Die Metaphern in Deinen Texten machen zum Teil ja auch den Reiz aus, die über Deine "Jagdgepflogenheiten" finde ich zum Beispiel sehr gut beschrieben, ebenso auch die oft wohlformulierten Sätze. Nur ich für mich selbst stelle fest, daß ich bei einem Übermaß, Gedanklich nicht mehr bei der Sache bin und plötzlich mit dem Satzbau und dem verstehen der Metapher aber kaum noch mit dem Inhalt des Textes selbst beschäftigt bin.
Liebe Grüße
Frayza
panem (anonym) - 13. Nov, 23:02
Hab ich was verpasst?
wie
hab ich richtig gelesen
du fährst mit remarque im offenen wagen nach brescia?
meinst du meinen heißgeliebten erich maria remarque?
bitte
in welchem buch fährt erich
(wenn du ihn denn meinst )
nach brescia?
gibt es da etwa ein buch von ihm
das ich nicht kenne
meint
ein ratloser
panem
hab ich richtig gelesen
du fährst mit remarque im offenen wagen nach brescia?
meinst du meinen heißgeliebten erich maria remarque?
bitte
in welchem buch fährt erich
(wenn du ihn denn meinst )
nach brescia?
gibt es da etwa ein buch von ihm
das ich nicht kenne
meint
ein ratloser
panem
Miss Manierlich - 13. Nov, 23:28
liebe(r) panem,
nunja, erich selbst fährt natürlich nicht nach brescia, sondern lässt dies stellvertretend erledigen und zwar in "der himmel kennt keine günstlinge". im selben buch werden übrigens so hinreissend die kleider von balenciaga beschrieben, dass es eine reine freude ist. ebenfalls dem automobilen sujet (eines der schönsten remarqueschen themen, wie ich finde) widmet sich "station am horizont", das ich erst vor kurzem für mich entdeckt habe. solltest du beide wirklich nicht kennen?
viel spass,
miss manierlich
nunja, erich selbst fährt natürlich nicht nach brescia, sondern lässt dies stellvertretend erledigen und zwar in "der himmel kennt keine günstlinge". im selben buch werden übrigens so hinreissend die kleider von balenciaga beschrieben, dass es eine reine freude ist. ebenfalls dem automobilen sujet (eines der schönsten remarqueschen themen, wie ich finde) widmet sich "station am horizont", das ich erst vor kurzem für mich entdeckt habe. solltest du beide wirklich nicht kennen?
viel spass,
miss manierlich
panem (anonym) - 14. Nov, 13:46
Peinlich, Peinlich
jetzt
nachdem ich
bei amazon die kurzbeschreibung gelesen habe
erkenne ich das buch
ist anscheinend schon ewig her
das ist es gelesen habe
und leider
befindet es sich nicht
in meinem bücherregal
was sich aber bald ändern wird
und überhaupt
kommen die ganzen remarques
auf die zulesenliste
schon ewig her
das ichzuletzt einen gelesen habe
meint
panem
der die trüben tage
mit sport und lesen füllt
nachdem ich
bei amazon die kurzbeschreibung gelesen habe
erkenne ich das buch
ist anscheinend schon ewig her
das ist es gelesen habe
und leider
befindet es sich nicht
in meinem bücherregal
was sich aber bald ändern wird
und überhaupt
kommen die ganzen remarques
auf die zulesenliste
schon ewig her
das ichzuletzt einen gelesen habe
meint
panem
der die trüben tage
mit sport und lesen füllt
panem (anonym) - 19. Nov, 22:57
Angekommen
Station am Horizont
ist angekommen
fast gelesen
mann
bzw
frau
ist d a s ein schönes buch
herrlich
darin zu lesen
zu entdecken
was zwischen den worten mitschwingt
wieviel
zwischen den worten
gesagt bzw mitgeteilt wird
danke nochmals
für den tip
meint
panem
ist angekommen
fast gelesen
mann
bzw
frau
ist d a s ein schönes buch
herrlich
darin zu lesen
zu entdecken
was zwischen den worten mitschwingt
wieviel
zwischen den worten
gesagt bzw mitgeteilt wird
danke nochmals
für den tip
meint
panem
Ambroggio (anonym) - 16. Nov, 01:20
-
Zwei Anmerkungen kurz vorweg, einmal zum Willi und seinem Kafka-Beispiel und danach zu den Äußerungen Frayza:
a) Gerade Kafka beweist in seinen mir bekannten Werken (Das Schloss, Der Prozess) ein erstaunlich gutes Auge für Details, während er die Handlung kaum vorantreibt, aber in fast schon perverser Kleinarbeit die subjektive Wahrnehmung der Hauptperson und deren Gefühlswelt porträtiert. Ob man Kafka mag ist wohl eine Frage der Geschmackssache, für mich war er immerhin eine Offenbarung. Nicht wegen seines Rufes oder kruder Geschichten, sondern weil selten jemand in der Lage war intersoziale Kommunikation, emotionale Zustände und damit einhergehende durchaus an Wahnsinn grenzende mentale Wirrungen so detailliert und fesselnd zu beschreiben. Wenn ich Kafka lese, habe ich schon fast das Bedürfnis mich selbst einzuweisen, lasse es aber, weil man in einer Zwangsjacke nun einmal schlecht Seiten umblättern kann.
b) Den Herrn der Ringe selbst habe ich auch nie geschafft, obwohl ich durchaus Anerkennung empfinde für Tolkiens kreatives Potenzial ganze Universen zu schaffen. Wo aber Kafka brilliert, versagt Tolkien, und das ist bei der Darstellung des Menschen an sich, ein Grund warum der Ringmeister mir nie zusagen konnte. Mein Bruder hingegen war von Tolkien begeistert. Wohl eine Frage, welche Elemente man nach Gusto eher fokussiert.
--
Des weiteren möchte ich anmerken, dass es gerade deine sehr spezielle Art mit Worten zu spielen, mit Metaphern zu klotzen und jeden noch so kleinen Sachverhalt mit den Blüten eines ganzen holländischen Gewächshauses zu garnieren, ist, warum ich mich so an deinen Texten ergötze. Und ich meine das so. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass man bisweilen an einen Punkt gelangt, wo man altkluge Weisheiten so oft genug gehört hat, dass man nicht nur weiß, dass das Gras wächst, sondern ihm lieber beim Wachsen zuschaut, während man sich mitten rein legt.
In diesem Sinne: Sollte ich jemals einen minderbemittelten Roman schreiben wird er wohl eh nie fertig, aber ich hoffe du wärest mir nicht böse über die Widmung.
a) Gerade Kafka beweist in seinen mir bekannten Werken (Das Schloss, Der Prozess) ein erstaunlich gutes Auge für Details, während er die Handlung kaum vorantreibt, aber in fast schon perverser Kleinarbeit die subjektive Wahrnehmung der Hauptperson und deren Gefühlswelt porträtiert. Ob man Kafka mag ist wohl eine Frage der Geschmackssache, für mich war er immerhin eine Offenbarung. Nicht wegen seines Rufes oder kruder Geschichten, sondern weil selten jemand in der Lage war intersoziale Kommunikation, emotionale Zustände und damit einhergehende durchaus an Wahnsinn grenzende mentale Wirrungen so detailliert und fesselnd zu beschreiben. Wenn ich Kafka lese, habe ich schon fast das Bedürfnis mich selbst einzuweisen, lasse es aber, weil man in einer Zwangsjacke nun einmal schlecht Seiten umblättern kann.
b) Den Herrn der Ringe selbst habe ich auch nie geschafft, obwohl ich durchaus Anerkennung empfinde für Tolkiens kreatives Potenzial ganze Universen zu schaffen. Wo aber Kafka brilliert, versagt Tolkien, und das ist bei der Darstellung des Menschen an sich, ein Grund warum der Ringmeister mir nie zusagen konnte. Mein Bruder hingegen war von Tolkien begeistert. Wohl eine Frage, welche Elemente man nach Gusto eher fokussiert.
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Des weiteren möchte ich anmerken, dass es gerade deine sehr spezielle Art mit Worten zu spielen, mit Metaphern zu klotzen und jeden noch so kleinen Sachverhalt mit den Blüten eines ganzen holländischen Gewächshauses zu garnieren, ist, warum ich mich so an deinen Texten ergötze. Und ich meine das so. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass man bisweilen an einen Punkt gelangt, wo man altkluge Weisheiten so oft genug gehört hat, dass man nicht nur weiß, dass das Gras wächst, sondern ihm lieber beim Wachsen zuschaut, während man sich mitten rein legt.
In diesem Sinne: Sollte ich jemals einen minderbemittelten Roman schreiben wird er wohl eh nie fertig, aber ich hoffe du wärest mir nicht böse über die Widmung.

Und auch, wenn ich selbst kein wirklicher Verfechter der Kurzgeschichte bin, so gibt es doch Meister dieser Form, die ich dafür sehr verehre, allen voran Kafka (auch wenn 'Kurzgeschichte' für seinen Parabeln eigentlich zu despektierlich klingt) und Poe. Und dann gibt es natürlich noch A Good Man Is Hard to Find von Flannery O'Connor, die wahrscheinlich großartigste Kurzgeschichte, die ich je lesen durfte und die ich auch Skeptikern wie Dir nur sehr ans Herz legen möchte.
das würde mich nun wirklich interessieren: warum eignen sich ausführliche darstellungen nicht, um aufregung, furcht oder todesgefahr zu transportieren? ich verweise hier gern noch einmal auf die ersten seiten des ersten band der temps perdu, in denen seitenlang über die ängste und befürchtungen marcels, der keinen gutenachtkuss von seiner mutter bekam, geschrieben wurde. und zwar in aller ausführlichkeit und mit dem ergebnis, dass man als leser mit jeder faser die kindlichen ängste eines sich verlassen glaubenden kleinen jungen spürt. ob das gleiche ergebnis auch mit wenigen sätzen zu erreichen wäre? ich bin skeptisch.
vielleicht habe ich mich noch in einer weiteren form fälschlich ausgedrückt: kurzgeschichten sind mir schlichtweg zu kurz, was nicht bedeuten muss, dass sie immer in maximaler kürze erzählen würden. nehmen wir doch einfach die verwandlung, die in bezug auf ihre schilderungen keineswegs kurzgeschichtenmerkmale trägt. im gegenteil: sie beobachtet und präzisiert ausgesprochen feinporig. ich erinnere mich noch gut, wie im deutschkurs beispielsweise alle über die schilderungen der anordnung der samsaschen räume stöhnten, die oberflächlich so gar nichts mit gregors käfertum zu tun zu haben schienen. dass dies nicht so ist und die aufteilung der wohnung ein detail ist, ohne dass weite teile der geschichte nicht funktionieren, ist bekannt. was ich damit sagen will: kafka erzählt kurzgeschichten mit dem gleichen stilistischen inventar, mit dem er auch seine längeren erzählungen vorantreibt. gerade kafkas kurzgeschichten oder meinetwegen parabeln sind ein gutes gegenbeispiel für das, was ich meine oder ausdrücken wollte. ich mag kurzgeschichten tatsächlich meist deswegen nicht, weil ich keine ausschnitte oder szenen , sondern die ganze geschichte lesen will. und das hat mit dem stil oder der sprache von kurzgeschichten nur selten etwas zu tun.
solche dinge fallen mir meist bei autoren auf, deren überlange texte ich sehr mag. um auf meinen beitrag zurück zu kommen: es ist beinahe quälend nabokovs kurzgeschichten zu lesen und sich bei jeder seite seufzend zu sagen, was man um diese begebenheit für einen weiteren großartigen 600-seiten-wälzer hätte schreiben können. wie auch frollein mansfiel, werde ich mir die geschichten des ollen flannery demnächst zu gemüte führen und berichten, wie es nun gefiel.
bestes,
miss manierlich
ich bin mir nicht ganz sicher, ob die beschreibung eines tapetenmusters hier wirklich keinen sinn ergäbe. stellen wir uns doch einmal eine abstrakte poeske situation vor: da liegt jemand gefesselt auf einer offenkundig zum zwecke der exekution installierten gerätschaft in einem karg eingerichteten folterzimmerchen. der raum ist komplett leer und nur rudimentär mit nackten dielen und einem dreibein eingerichtet. und plötzlich schweift das auge des erzählers auf eine küchentapete mit kupferkesseln und zwiebelarrangements. und während sich das folterinstrument langsam herab senkt, sieht unser armer delinquent immer neue details auf der deplatzierten tapete. also, ich fände das großartig! um hier noch einmal den meister zu zitieren: alles wesentliche ist zuhöchst subjektiv. ein herab rinnendes schweisströpfchen, bizarr zerdehnte oder beschleunigte zeit oder eben auch eine geblüme tapete. alles, worauf ein extrem angespannter, am rand des poeschen wahnsinns balancierender geist aufmerksamkeit verschwendet oder verschwenden könnte, ist es wert, erwähnt zu werden. vielleicht denke ich auch einfach weniger an den erzählfluss, als vielmehr an eine möglichst dicht aufgebaute atmosphäre. ich fände es reizvoll, wenn dem helden in augenblicken der todesangst der schweinebraten seiner mutter einfiele: im augenblick der enthauptung vibriert der gesamte mundraum noch einmal unter der erinnerung an soßengetränkte rosinchen oder schwenkkartoffeln....
heitere grüße,
miss manierlich