Mit dem Kopf von heute
ach verdammt, ich würde jetzt gern an den ort verlinken, an dem ich diese oder eine zumindest sehr ähnliche formulierung vor bereits einiger zeit gelesen habe. leider kann ich mich partout nicht erinnern und trotzdem sprang es mich gerade an, wie das wäre, die dinge von damals mit dem kopf von heute noch einmal zu erleben.
nicht, um sie zu verändern. sondern vielmehr um klarheit darüber zu erlangen, welchen anteil an den erinnerungen, die vivide noch immer in aller klarheit existieren, der kopf von damals hat und wieviel bedeutung das eigentliche geschehen wohl einnimmt. mit musik funktioniert das übrigens ganz ausgezeichnet: der kopf von heute hört die hymnen von früher, greift zielgenau in die affektive bibliothek abteilung spätadoleszenz und hält pathetische ergriffenheit in den ratlosen händen. ach guckan, nine inch nails fand ich wirklich mal richtig gut und dabei verstauben die entsprechenden tonträger seit jahren ganz unten in einer kiste voll ähnlich erlesen-schauriger musik. ganz klarer punktsieg für den kopf: nin funktionierte wirklich nur in einer äusserst schmalen biographischen nische.
ob mir und dem kopf von heute wohl auffallen würde, wie unglaublich dämlich der deflorateur in seinen (ich wage es kaum zu sagen) karottig geschnittenen jeans aussah, als wir an der scheisskalten nordsee herum hockten und unausgesprochen darauf warteten, dass es endlich abend genug sein würde um ausreichend romantische stimmung für einen koitus produzieren zu können? bereits beim flüchtigen erinnern wird mir angesichts dieser eigentlich längst vergangenen situation beinahe übel vor lauter peinlichkeit - war das wirklich peinlich? oder ist der kopf von heute nur nicht in der lage, die erinnerungen des elf jahre jüngeren kopfes exakt zu integrieren, d.h. um das früher zu bereinigen und als tatsächliche situation wiederzugeben?
genau das würde ich nämlich wirklich gern tun: das gesammelte inventar energisch aus dem kopf schütteln und die erinnerungen verheutigen: die ganzen losen knöpfe annähen, klemmende (schlimmer noch: verklemmende) reißverschlüsse geschmeidig machen, das ausgerissene futter wieder zusammenführen und den saum schliessen. denn genau so fühlen sich die erinnerungen von damals häufig an: als wären sie irgendwie kaputt und nicht ganz in dem zustand, in dem sie wären hätte sie der kopf von heute gemacht. zwischen dem kopf von heute und den dingen von damals liegt bedauerlicherweise kein kontinuum, weil das ich sich so hartnäckig saltatorisch fortbewegt. es überschreibt sich fortwährend selbst, beinahe so wie die zaubertafel, die ich einmal hatte und unangenehmerweise finde ich in der erinnerung keine spur vom früheren kopf, die ich nicht kompliziert ableiten müsste.
hätte der kopf von heute eine ebenfalls hochgradig schamvolle erinnerung an einen abend in göttingen im herbst mit den gleichen markern versehen, wie das zwanzigjährige pendant? wohl kaum, aber: warum speichert der heutige kopf die erinnerung von damals auch nach mehrmaligem wiederaufrufen trotzdem ungerührt noch mit den gleichen parametern ab? wo ist die altersmilde angesichts des eigenen verhaltens, die sich wohltuend auf die eigenen erinnerungen legt, wenn man sie mal braucht?
nicht, um sie zu verändern. sondern vielmehr um klarheit darüber zu erlangen, welchen anteil an den erinnerungen, die vivide noch immer in aller klarheit existieren, der kopf von damals hat und wieviel bedeutung das eigentliche geschehen wohl einnimmt. mit musik funktioniert das übrigens ganz ausgezeichnet: der kopf von heute hört die hymnen von früher, greift zielgenau in die affektive bibliothek abteilung spätadoleszenz und hält pathetische ergriffenheit in den ratlosen händen. ach guckan, nine inch nails fand ich wirklich mal richtig gut und dabei verstauben die entsprechenden tonträger seit jahren ganz unten in einer kiste voll ähnlich erlesen-schauriger musik. ganz klarer punktsieg für den kopf: nin funktionierte wirklich nur in einer äusserst schmalen biographischen nische.
ob mir und dem kopf von heute wohl auffallen würde, wie unglaublich dämlich der deflorateur in seinen (ich wage es kaum zu sagen) karottig geschnittenen jeans aussah, als wir an der scheisskalten nordsee herum hockten und unausgesprochen darauf warteten, dass es endlich abend genug sein würde um ausreichend romantische stimmung für einen koitus produzieren zu können? bereits beim flüchtigen erinnern wird mir angesichts dieser eigentlich längst vergangenen situation beinahe übel vor lauter peinlichkeit - war das wirklich peinlich? oder ist der kopf von heute nur nicht in der lage, die erinnerungen des elf jahre jüngeren kopfes exakt zu integrieren, d.h. um das früher zu bereinigen und als tatsächliche situation wiederzugeben?
genau das würde ich nämlich wirklich gern tun: das gesammelte inventar energisch aus dem kopf schütteln und die erinnerungen verheutigen: die ganzen losen knöpfe annähen, klemmende (schlimmer noch: verklemmende) reißverschlüsse geschmeidig machen, das ausgerissene futter wieder zusammenführen und den saum schliessen. denn genau so fühlen sich die erinnerungen von damals häufig an: als wären sie irgendwie kaputt und nicht ganz in dem zustand, in dem sie wären hätte sie der kopf von heute gemacht. zwischen dem kopf von heute und den dingen von damals liegt bedauerlicherweise kein kontinuum, weil das ich sich so hartnäckig saltatorisch fortbewegt. es überschreibt sich fortwährend selbst, beinahe so wie die zaubertafel, die ich einmal hatte und unangenehmerweise finde ich in der erinnerung keine spur vom früheren kopf, die ich nicht kompliziert ableiten müsste.
hätte der kopf von heute eine ebenfalls hochgradig schamvolle erinnerung an einen abend in göttingen im herbst mit den gleichen markern versehen, wie das zwanzigjährige pendant? wohl kaum, aber: warum speichert der heutige kopf die erinnerung von damals auch nach mehrmaligem wiederaufrufen trotzdem ungerührt noch mit den gleichen parametern ab? wo ist die altersmilde angesichts des eigenen verhaltens, die sich wohltuend auf die eigenen erinnerungen legt, wenn man sie mal braucht?
Miss Manierlich - 5. Okt, 23:36
