Weiterentwicklung
ich bin 32 jahre alt. mein abiturschnitt war gut genug, um sofort mein wunschstudium aufzunehmen, das ich flott, ohne umwege und relativ freudlos durchgezogen und abgeschlossen habe. denn bereits kurz nach dem vordiplom winkte mein jetziger arbeitgeber mit einem praktikum, das in ein weiteres praktikum überging, dann in einen hiwi-vertrag verwandelt wurde und schließlich in meinem ersten arbeitsvertrag endete.
das ist jetzt mehr als sieben jahre her. ich liebe meine arbeit. ich bin glücklich mit den dingen, mit denen ich pro woche rund 70 stunden verbringe. ich mag meine projekte, meine abwechslung, meine kollegen. ich mag meine verdrehten künstler und versnobten kulturleute. ich liebe die aufregung vor einer eröffnung, das chaos, den stress und die sieben tage mit zu wenig schlaf, die immer enden wenn der erste grußwörtler hinterm pult steht. ich mag die kleinen schrulligkeiten, die exzessiven tankstelleneinkäufe zur nächtlichen teammotivation, den überdrehten humor angesichts der täglichen zehn katastrophen. ich bin glücklich mit meiner existenz in diesen extrem beschleunigten rhythmen aus ideengeburt, planung, umsetzung und abschluss. ich mag das ausprobieren, verwerfen, um unterstützung kämpfen und sich immer wieder beweisen müssen.
aber ich weiss, dass ich diesen job (ja genau: job. nicht beruf. denn die bezeichnung beruf würde verlangen, dass diese wüste melange aus erlerntem, einer handvoll softskills, dutzenden halbwissens-häppchen und ideechen etwas handfesteres wäre als es ist) nicht bis in alle ewigkeiten machen kann. einen großteil der arbeit hier erledigt ein schier endloses heer von praktikanten, volontären, gastkünstlern, werkverträglern und anderen glücksrittern des kulturbetriebes, die sich gern für begrenzte zeit ausnutzen lassen - immer in der hoffnung, einen festen vertrag zu bekommen. immer auf der suche nach dem spalt in der tür, um dauerhaft mitzumischen, einen einstieg zu finden, dabei zu sein. ich bin seit jahren dabei und ja: von innen ist diese arbeit genauso schön, wie sie von aussen aussieht.
neben den schönen, schlauen, begabten, coolen und natürlich immer und an erster stelle jungen gibt es auch eine handvoll hausinterner zombies. menschen, die seit vielen jahren auf den gleichen, mies bezahlten projektstellen herumhängen und darauf warten, dass der aufstieg, die beförderung, die volle stelle, die abteilungsleitung, die anerkennung oder irgendeine andere art der verbesserung passieren. und natürlich passiert: nichts. aber das fällt nicht allzusehr auf, weil es immer ein neues projekt, eine neue herausforderung, eine neue spannende idee oder etwas anderes, in das man sich hineinstürzen kann gibt. und warum sollte man den tollsten arbeitsplatz der welt schon wegen etwas so verspießten wie persönlicher weiterentwicklung verlassen, wenn nächste woche dieser großartige neue londoner star-irgendwas mit seiner entourage ankommt, und ein halbes jahr lang das nächste große ding realisiert?
ich habe seit einigen monaten das gefühl, das ich hier ganz dringend wegmuss. weil das glitzernde, spannende, interessante und bunte auf dauer einlullt und besoffen macht. und irgendwann - peng! - ist man kurz vor mitte 30 und stellt fest, dass sich eigentlich seit jahren nichts entwickelt oder verbessert. dass der job, den man gerade hat, so aufreibend und anstrengend ist, dass man im urlaub jeden morgen und jede nacht doch wieder vorm laptop klebt und mails beantwortet, skypt und immer wieder das mantra "im notfall bitte auf dem handy anrufen" tippt. und natürlich wird man ständig angerufen, weil auf der anderen seite des telefons auch lauter leute sitzen, die gelernt und verinnerlicht haben, dass urlaub eigentlich nur ein anderes wort für ein weit entferntes mobiles home office ist.
dann steigt die panik auf. die zombies werden zu einer gruseligen nachher-version der eigenen karriere. die scheiss-zeitverträge beginnen anzukotzen. genauso wie die tingelrunden zu stiftungen, ministerien und förderern. was mache ich eigentlich mit 50? will ich wirklich den rest meines lebens so verbringen? mit schuhen, büchern und kaschmir als trost und meinen eltern als rückfallposition für ein neues auto? einem langsam verrottenden promotionsrumpf auf dem immer neuesten notebook in der eigentlich zu kleinen mietwohnung? und warum habe ich doch gleich studiert, wenn ich heute alles meide, was damit zu tun hat?
also schreibt man eine bewerbung, die einzig und allein auf sicherheit zielt. auf eine schöne, komfortable, 39,5-wochenstunden-stelle und ein paar hundert euro mehr pro monat. und dann kommt die einladung zu einem bewerbungsgespräch mit ac. ausgerechnet mit ac! borniert schaut man sich website, berichte und die gesichter des teams an. lächelt abschätzig über das, was dort als heisser scheiss angekündigt wird, fühlt sich viel zu gut und schlau und clever für das alles. wie die büroräume schon aussehen, pfff! und man weiss nicht was schlimmer wäre: die stelle zu bekommen oder sie nicht zu bekommen.
das ist jetzt mehr als sieben jahre her. ich liebe meine arbeit. ich bin glücklich mit den dingen, mit denen ich pro woche rund 70 stunden verbringe. ich mag meine projekte, meine abwechslung, meine kollegen. ich mag meine verdrehten künstler und versnobten kulturleute. ich liebe die aufregung vor einer eröffnung, das chaos, den stress und die sieben tage mit zu wenig schlaf, die immer enden wenn der erste grußwörtler hinterm pult steht. ich mag die kleinen schrulligkeiten, die exzessiven tankstelleneinkäufe zur nächtlichen teammotivation, den überdrehten humor angesichts der täglichen zehn katastrophen. ich bin glücklich mit meiner existenz in diesen extrem beschleunigten rhythmen aus ideengeburt, planung, umsetzung und abschluss. ich mag das ausprobieren, verwerfen, um unterstützung kämpfen und sich immer wieder beweisen müssen.
aber ich weiss, dass ich diesen job (ja genau: job. nicht beruf. denn die bezeichnung beruf würde verlangen, dass diese wüste melange aus erlerntem, einer handvoll softskills, dutzenden halbwissens-häppchen und ideechen etwas handfesteres wäre als es ist) nicht bis in alle ewigkeiten machen kann. einen großteil der arbeit hier erledigt ein schier endloses heer von praktikanten, volontären, gastkünstlern, werkverträglern und anderen glücksrittern des kulturbetriebes, die sich gern für begrenzte zeit ausnutzen lassen - immer in der hoffnung, einen festen vertrag zu bekommen. immer auf der suche nach dem spalt in der tür, um dauerhaft mitzumischen, einen einstieg zu finden, dabei zu sein. ich bin seit jahren dabei und ja: von innen ist diese arbeit genauso schön, wie sie von aussen aussieht.
neben den schönen, schlauen, begabten, coolen und natürlich immer und an erster stelle jungen gibt es auch eine handvoll hausinterner zombies. menschen, die seit vielen jahren auf den gleichen, mies bezahlten projektstellen herumhängen und darauf warten, dass der aufstieg, die beförderung, die volle stelle, die abteilungsleitung, die anerkennung oder irgendeine andere art der verbesserung passieren. und natürlich passiert: nichts. aber das fällt nicht allzusehr auf, weil es immer ein neues projekt, eine neue herausforderung, eine neue spannende idee oder etwas anderes, in das man sich hineinstürzen kann gibt. und warum sollte man den tollsten arbeitsplatz der welt schon wegen etwas so verspießten wie persönlicher weiterentwicklung verlassen, wenn nächste woche dieser großartige neue londoner star-irgendwas mit seiner entourage ankommt, und ein halbes jahr lang das nächste große ding realisiert?
ich habe seit einigen monaten das gefühl, das ich hier ganz dringend wegmuss. weil das glitzernde, spannende, interessante und bunte auf dauer einlullt und besoffen macht. und irgendwann - peng! - ist man kurz vor mitte 30 und stellt fest, dass sich eigentlich seit jahren nichts entwickelt oder verbessert. dass der job, den man gerade hat, so aufreibend und anstrengend ist, dass man im urlaub jeden morgen und jede nacht doch wieder vorm laptop klebt und mails beantwortet, skypt und immer wieder das mantra "im notfall bitte auf dem handy anrufen" tippt. und natürlich wird man ständig angerufen, weil auf der anderen seite des telefons auch lauter leute sitzen, die gelernt und verinnerlicht haben, dass urlaub eigentlich nur ein anderes wort für ein weit entferntes mobiles home office ist.
dann steigt die panik auf. die zombies werden zu einer gruseligen nachher-version der eigenen karriere. die scheiss-zeitverträge beginnen anzukotzen. genauso wie die tingelrunden zu stiftungen, ministerien und förderern. was mache ich eigentlich mit 50? will ich wirklich den rest meines lebens so verbringen? mit schuhen, büchern und kaschmir als trost und meinen eltern als rückfallposition für ein neues auto? einem langsam verrottenden promotionsrumpf auf dem immer neuesten notebook in der eigentlich zu kleinen mietwohnung? und warum habe ich doch gleich studiert, wenn ich heute alles meide, was damit zu tun hat?
also schreibt man eine bewerbung, die einzig und allein auf sicherheit zielt. auf eine schöne, komfortable, 39,5-wochenstunden-stelle und ein paar hundert euro mehr pro monat. und dann kommt die einladung zu einem bewerbungsgespräch mit ac. ausgerechnet mit ac! borniert schaut man sich website, berichte und die gesichter des teams an. lächelt abschätzig über das, was dort als heisser scheiss angekündigt wird, fühlt sich viel zu gut und schlau und clever für das alles. wie die büroräume schon aussehen, pfff! und man weiss nicht was schlimmer wäre: die stelle zu bekommen oder sie nicht zu bekommen.
Miss Manierlich - 25. Okt, 21:20
